Frauen und Arbeitswelt

Erwerbstätigkeit von Frauen stärken

Vor allem der Ausbau der Kinderbetreuung und das Elterngeld stärken Frauen nachweislich wirksam in ihrer Erwerbstätigkeit. Es gibt jedoch auch entgegenwirkende gesetzliche Maßnahmen und Leistungen. Zudem wenden Frauen noch immer deutlich mehr Stunden für Familie, Pflege und Haushalt auf als Männer - der Gender Care Gap beträgt 43,4 Prozent. Infolgedessen sind Chancen im Beruf und für die wirtschaftliche Eigenständigkeit noch ungleich verteilt: Jede zweite abhängig beschäftigte Frau in Deutschland arbeitet in Teilzeit und Frauen erwirtschaften im Lebensverlauf nur gut halb so viel Erwerbseinkommen wie (statistisch vergleichbare) Männer. 

Große Bedeutung wirtschaftlicher Eigenständigkeit

Eine substanzielle Erwerbstätigkeit in möglichst langen Lebensphasen ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Eigenständigkeit. Eine aktuelle Studie des Sinus-Instituts zeigt: Für die große Mehrheit der Bevölkerung (92 Prozent) ist es wichtig oder sehr wichtig, wirtschaftlich eigenständig zu sein. Dabei stimmen Frauen (93 Prozent) wie Männer (87 Prozent) überein, dass die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen genauso wichtig ist wie die der Männer. 

Um diesem Wunsch nachzukommen, bedarf es gezielter Initiativen auf dem Arbeitsmarkt. Wertvolle Erkenntnisse lieferte hierzu das Aktionsprogramm "Gleichstellung am Arbeitsmarkt. Perspektiven schaffen" (GAPS). Von 2022 bis 2025 hat dieses Programm mit verschiedenen Maßnahmen dazu beigetragen, die Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt aktiv zu fördern und Barrieren abzubauen.

Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus GAPS zeigen, dass Gleichstellungspolitik heute weiter gefasst werden muss. Daher ist die Unterstützung von Frauen wie Männern auf dem Weg zu wirtschaftlicher Eigenständigkeit auch Kernziel der Gleichstellungspolitik der Bundesregierung geworden  (Jahreswirtschaftsbericht 2024, Seite 134; Siebter Armuts- und Reichtumsbericht, Seite 213). Dieser Ansatz wird auch auf familiärer Ebene konsequent weitergedacht: Die Kommission für den Zehnten Familienbericht empfiehlt die Förderung der wirtschaftlichen Eigenständigkeit von Müttern wie Vätern als ein zentrales Ziel einer zukunftsorientierten Familienpolitik.

Seviceportal Lebenskarte - orientieren, informieren, auf eigenen Füßen stehen

Das Serviceportal Lebenskarte zeigt anhand von acht Stationen wie dem Karrierestart, Familiengründung oder Heirat, welche finanziellen Fragen in der jeweiligen Lebensphase wichtig sind. Zu jedem Thema bietet sie passende staatlich geprüfte Informationen und praktische Angebote. Das Herzstück der Lebenskarte ist der "Lohn-O-Mat", der in enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) entwickelt wurde. Das digitale Tool macht die finanziellen Folgen von Lebensentscheidungen erstmals auch für Paare individuell berechenbar. Ob partnerschaftliche Erwerbsarbeit, Steuerklassenwahl, Jobwechsel oder die Anpassung der Arbeitszeit: Der "Lohn-O-Mat" zeigt, wie sich diese Entscheidungen auf das Einkommen und die Rente auswirken.

Das Serviceportal ist das Ergebnis eines breiten Bündnisses aus Politik, Verwaltung und Forschung und entstand im Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Expertinnen und Experten auf Basis eines partizipativen Forschungsprojektes, das vom Center for Responsible Research and Innovation des Fraunhofer IAO (CeRRI) durchgeführt und durch das Bundesgleichstellungsministerium gefördert wurde. 2026 wurde die Website umfangreich weiterentwickelt, um gezielt junge Erwachsene bürgernah und interaktiv anzusprechen.

Erwerbstätigkeit und Partnerschaftlichkeit gehören zusammen

Die partnerschaftliche Aufteilung von Aufgaben in der Familie, wie Kinderbetreuung oder Pflege, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Frauen und Männer ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit sichern. Dafür braucht es Rahmenbedingungen, die beiden Elternteilen oder pflegenden Angehörigen eine vollzeitnahe Erwerbstätigkeit auch in Phasen der Kinderbetreuung oder Pflege erleichtern. 

Ein Leistungssystem, das partnerschaftliche Arbeitsteilung und lohnende Erwerbstätigkeit für Frauen und Männer ermöglicht und sie in ihrer wirtschaftlichen Eigenständigkeit stärkt, trägt dadurch auch zu Wohlstand und einer resilienten Gesellschaft bei. Dies belegen zwei aktuelle Studien im Auftrag des Bundesgleichstellungsministeriums, die die volkswirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Potentiale der wirtschaftlichen Gleichstellung von Frauen und Männern beschreiben und konkret beziffern:

Eine weitere vom Bundesgleichstellungsministerium geförderte kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass wirtschaftliche Eigenständigkeit untrennbar verbunden ist mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie dem Zugang zu guten Bildungsangeboten:

Strategierahmen für die ökonomische Gleichstellung 2030

Im "Strategierahmen für die ökonomische Gleichstellung 2030", der die erste Gleichstellungsstrategie der Bundesregierung weiterentwickelt, formulieren namhafte Autorinnen und Autoren grundlegende Erkenntnisse für eine zukünftige Politik für die wirtschaftliche Gleichstellung der Zukunft. Der Strategierahmen zeigt, dass weitere Anpassungen der Rahmenbedingungen zugunsten der wirtschaftlichen Eigenständigkeit, insbesondere von Frauen, notwendig sind. Dazu zählen Investitionen in die Bildungs-, Betreuungs- und Pflegeinfrastruktur, die Stärkung der substanziellen Erwerbstätigkeit bei gleichberechtigter Aufteilung von Betreuungs- und Pflegeaufgaben sowie Reformen im Steuer-, Sozial- und Transfersystem. 

Gesellschaftliches Engagement für mehr wirtschaftliche Eigenständigkeit

Viele Verbände und Organisationen setzen sich bereits für mehr wirtschaftliche Eigenständigkeit und eine gleichberechtigte Verteilung von  Betreuungs- und Pflegeaufgaben ein. Das Bundesgleichstellungsministerium fördert die Koordinierungsstelle des Bündnisses "Sorgearbeit fair teilen" von 33 Organisationen aus Kirchen, Gewerkschaften, Frauen-, Männer-, Familien- und Sozialverbänden, Selbsthilfeinitiativen und Stiftungen. Dabei stellen sie das Thema "Wirtschaftliche Eigenständigkeit" in seinem Zusammenhang mit einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung in den Fokus. 

Das vom Bundesgleichstellungsministerium geförderte Projekt "Was verdient die Frau? Mehr Geld, Zeit und Respekt!" des Deutschen Gewerkschaftsbundes setzt die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen auf die betriebliche Agenda. Mit reichweitenstarken Social Media-Beiträgen, digitalen Werkzeugkästen und einem Netzwerk sensibilisiert das Projekt junge Frauen für die Bedeutung der Erwerbsbiografie für die wirtschaftliche Eigenständigkeit in den Betrieben.