Am 28. August hat Bundesbildungsministerin Karin Prien gemeinsam mit dem Minister für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt, Jan Riedel, Magdeburg und Stendal besucht. Vor Ort haben sie sich ein Bild von zwei wichtigen Bereichen der Bildungsarbeit gemacht: der Entwicklung von Familienschulzentren im Rahmen des Startchancen-Programms sowie der Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit.
Stationen des Besuchs waren das schulformübergreifende Familienschulzentrum (FZS) der Sekundarschule "Wladimir Komarow" und der Grundschule "Juri Gagarin" in Stendal sowie die Volkshochschule Magdeburg und das angeschlossene Grundbildungszentrum.
Bundesjugendministerin Karin Prien: "Das Startchancen-Programm fördert jedes Kind entsprechend seinen individuellen Bedürfnissen. Es versetzt junge Menschen in die Lage, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Damit dies gelingt, brauchen auch Eltern und das soziale Umfeld Begleitung und Bestärkung. Mit Mitteln des Startchancen-Programms aufgebaute Familienschulzentren bieten dafür den passenden Raum: Hier werden die konkreten Bedarfe von Familien direkt adressiert. Das ermöglicht den Schulen, die einzelnen Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung viel zielgenauer zu unterstützen."
Startchancen-Programm stärkt allgemein- und berufsbildende Schulen
Eine Öffnung der beteiligten Schulen in den Sozialraum und eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern sind zentrale Ziele des Startchancen-Programms. Hier setzen die Familienschulzentren an, die mit Mitteln aus dem Programm an beteiligten Schulen in Sachsen-Anhalt entstehen.
Im Anschluss besuchten Karin Prien und Jan Riedel die Städtische Volkshochschule Magdeburg. Dabei ging es um die Herausforderungen in der Erwachsenenbildung und insbesondere in der Alphabetisierung und Grundbildung.
Bundesbildungsministerin Karin Prien: "Die Volkshochschulen sind ein wichtiger Ort: Sie ermöglichen Menschen unabhängig von ihrer Ausgangslage, sich ein Leben lang flexibel weiterzubilden und Fähigkeiten zu entwickeln, die sie im Alltag und auf dem Arbeitsmarkt brauchen. Grundbildung eröffnet die Chance, die eigene Zukunft zu gestalten und persönliche Potenziale zu entfalten."
Bildungsminister Jan Riedel: "Grundbildung ist eine Frage von Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Unser Ziel muss sein, Menschen niedrigschwellig zu erreichen und ihnen die Kompetenzen zu vermitteln, die sie für ein selbstbestimmtes Leben brauchen - vom Lesen und Rechnen bis hin zum sicheren Umgang mit digitalen Medien."
Gemäß der letzten PIAAC-Studie leben in Deutschland rund 10 Millionen Menschen im Alter von 16 bis 65 Jahren mit geringer Literalität. Geringe Literalität bedeutet dabei allerdings ausdrücklich nicht, dass Menschen überhaupt nicht lesen und schreiben können. Vielmehr können alltägliche Anforderungen an das Lesen und Schreiben für sie Schwierigkeiten bereiten, was häufig im Alltag und oft selbst im Beruf unsichtbar bleibt.
"AlphaDekade" baut Grundkompetenzen gezielt aus
Grundbildung geht deutlich über Lesen und Schreiben hinaus. Dazu gehören unter anderem Rechnen und der Umgang mit Zahlen, digitale Kompetenzen, der Umgang mit Geld und Finanzen, Gesundheitskompetenz, Orientierung im Alltag und in der Familie sowie der Umgang mit Behörden und Formularen.
Das Bundesbildungs- und Familienministerium unterstützt die Weiterentwicklung der Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit zum Beispiel im Programm AlphaDekade. Ziel ist es, Grundkompetenzen, auch über die Weiterentwicklung von Strukturen, in Deutschland zu stärken.
Das Startchancen-Programm
Das Startchancen-Programm ist ein gemeinsames Programm von Bund und Ländern, das dazu beitragen soll, den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft zu entkoppeln und für mehr Chancengerechtigkeit zu sorgen. Bundesweit werden gut 4000 allgemein- und berufsbildende Schulen mit einem hohen Anteil an sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern gezielt gestärkt. Angestrebt werden nachhaltige Veränderungen im Bildungssystem auch jenseits der direkt beteiligten Schulen - insbesondere über eine wissenschaftsgeleitete Modernisierung des Fachunterrichts, die Nutzung der Potenziale datengestützter Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie eine Professionalisierung des Unterstützungssystems schulischer Bildung.