Die unabhängige Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" hat am 20. April ihre Bestandsaufnahme veröffentlicht. Sie bildet die Grundlage für die Handlungsempfehlungen, die die Kommission aktuell erarbeitet und Ende Juni 2026 vorlegen wird.
Die Bestandsaufnahme analysiert in drei Teilen den aktuellen Stand des Kinder- und Jugendschutzes in der digitalen Welt: Sie untersucht die digitalen Lebenswelten und Gefährdungslagen von Kindern und Jugendlichen, beschreibt Strukturen der Medienbildung, Prävention und pädagogischen Praxis in Deutschland und arbeitet den bestehenden rechtlichen Rahmen sowie seine Durchsetzung auf.
Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien: "Die Bestandsaufnahme ist eine der zugleich breitesten, systematischsten, tiefsten und vor allem interdisziplinärsten Grundlagen für den Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. Sie erfasst das Thema ganzheitlich, macht zentrale Risiken wie Cybermobbing, problematische Nutzungsmuster, algorithmisch verstärkte Dynamiken und unzureichende Schutzmechanismen ebenso sichtbar wie bestehende Strukturen, rechtliche Rahmenbedingungen und konkrete Handlungsfelder. Gleichzeitig bedeutet das Smartphone insbesondere für Jugendliche auch Zugang - zu Freundschaften, Wissen und Teilhabe. Die Bestandsaufnahme benennt dabei klar Defizite, etwa in der flächendeckenden und systematischen Medienbildung und in der Unterstützung von Eltern. Sie schafft damit eine belastbare evidenzbasierte Grundlage für die Handlungsempfehlungen. Gerade daraus wird deutlich, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt nicht durch Einzelmaßnahmen zu erreichen ist. Nötig ist eine vorausschauende und kontinuierlich weiterzuentwickelnde Gesamtstrategie - ein Dreiklang aus Schutz, Befähigung und Teilhabe, der Regulierung, Bildung und Prävention gleichermaßen umfasst. Es wird darum gehen müssen, bestehende rechtliche Instrumente konsequent durchzusetzen und diese durch einen breiten Instrumentenkasten auf verschiedenen Ebenen zu ergänzen. Nur so kann den dynamischen technologischen Entwicklungen und den komplexen Herausforderungen nachhaltig begegnet und zugleich die sichere, kompetente Teilhabe junger Menschen in der digitalen Welt gewährleistet werden. Ich erwarte nun mit Spannung die konkreten Handlungsempfehlungen."
Co-Vorsitzender Prof. Dr. Olaf Köller: "Die Forschungslage ist relativ klar: Nicht die Bildschirmzeit allein ist entscheidend, sondern welche Inhalte Kinder und Jugendliche sehen, wie Plattformen gestaltet sind und wie gut Kinder und Jugendliche begleitet werden. Genau deshalb darf Medienbildung nicht dem Zufall überlassen werden. Sie muss verbindlich, altersgerecht und für alle Kinder und Jugendlichen zugänglich sein - und auch die Erwachsenen adressieren, die sie begleiten."
Co-Vorsitzende Nadine Schön: "Unsere Bestandsaufnahme macht deutlich: Wirksamer Kinder- und Jugendschutz entsteht nur, wenn Regulierung, Bildung und technische Vorsorge zusammenwirken. Digitale Räume sind für Kinder und Jugendliche längst Lebensräume. Wir müssen sie so gestalten, dass Schutz und Teilhabe zusammengehen. Auf dieser Grundlage werden wir konkrete Empfehlungen erarbeiten."
Die Kommission nimmt mit der Bestandsaufnahme bewusst keine Empfehlungen vorweg. Sie schafft eine evidenzbasierte Grundlage, um Entwicklungen, Strukturen und Handlungsfelder sichtbar zu machen - als Ausgangspunkt für die nun folgende Erarbeitung konkreter Empfehlungen.