Für berufsbezogene Weiterbildung motivieren und beraten - stärkenorientiert und auf Augenhöhe: dieses Ziel verfolgen Weiterbildungsmentorinnen und Weiterbildungsmentoren (WBM) - Beschäftigte in Unternehmen und Verwaltungen, die gezielt und umfassend dafür qualifiziert und für diese Aufgabe im Unternehmen eingesetzt wurden. Zielgruppe sind insbesondere geringqualifizierte Beschäftigte, die in ihrem Berufsleben bislang nur selten Weiterbildungsangebote in Anspruch nehmen.
Für die dreijährige Förderung stellt das Bundesbildungsministerium jährlich rund acht Millionen Euro bereit.
Weiterbildungsmentorinnen und Weiterbildungsmentoren sind Möglichmacher für die berufsbezogene Weiterbildung. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist das wichtiger denn je. Sie nehmen geringqualifizierte Beschäftigte in den Blick, die Weiterbildung nur selten in Anspruch nehmen und helfen, persönliche Hemmnisse oder innerbetriebliche Hürden für Weiterbildung abzubauen. Mit einer niedrigschwelligen Ansprache von Kollegin zu Kollege, einer stärkenorientierten, passgenauen Beratung und kontinuierlichen Begleitung sorgen Weiterbildungsmentorinnen und Weiterbildungsmentoren für eine höhere Akzeptanz von Weiterbildungsmaßnahmen. Klar ist: Eine starke Weiterbildungskultur führt zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit, größerer Arbeitsmotivation und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten.
Die Förderung schafft klare Vorteile für beide Seiten:
Für Unternehmen:
- Sicherung und Ausbau dringend benötigter Fachkompetenzen
- Höhere Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit
- Stärkere Mitarbeiterbindung
- Nachhaltige Verankerung einer modernen Weiterbildungskultur
Für Beschäftigte:
- Niedrigschwellige, stärkenorientierte Beratung auf Augenhöhe
- Abbau persönlicher und struktureller Weiterbildungshemmnisse
- Bessere Entwicklungs- und Aufstiegsperspektiven
- Größere Arbeitsplatzsicherheit in wirtschaftlich unsicheren Zeiten
35 WBM-Förderprojekte starten
Nach einer erfolgreichen Pilotförderung hat das Bundesbildungsministerium die Förderung deutlich ausgeweitet: 27 Verbundprojekte und acht Einzelprojekte qualifizieren bis 2029 Beschäftigte in Industrie-, Mittelstands- und Handwerksunternehmen sowie in Verwaltungen zu Weiterbildungsmentorinnen und Weiterbildungsmentoren. Ziel ist es, Mentoring dauerhaft als festen Bestandteil der betrieblichen Weiterbildungskultur in Deutschland zu verankern.
Die insgesamt 39 Projektprofile zu den 35 neuen Förderprojekten (2025-2029) und den vier Pilotprojekten (2020-2024) sind auf der aktualisierten, interaktiven WBM-Grafikseite hinterlegt. Auf der interaktiven Karte können Sie auch die bisherigen WBM-Standorte einsehen. Denn Weiterbildungsmentoring wirkt: Mehr als 460 Weiterbildungsmentorinnen und Weiterbildungsmentoren setzen sich in bundesweit rund 170 Unternehmen und Verwaltungen in zahlreichen Branchen für mehr Qualifizierung und Weiterbildung ein (Stand: Dez. 2024).
Wissenswertes zu den neuen Förderprojekten
Zielgruppe Geringqualifizierte in den Blick nehmen
Die geförderten Projekte zielen unmittelbar oder mittelbar auf die Zielgruppe der formal gering- und nichtqualifizierten Beschäftigten, indem sie auf deren spezifische Bedarfe ausgerichtet sind. Im Mittelpunkt stehen der Abbau von Zugangsbarrieren und Hemmnissen in der beruflichen Weiterbildung sowie die Schaffung besserer Zugänge zu Qualifizierungsmaßnahmen. So wird eine insgesamt höhere Weiterbildungsbeteiligung insbesondere von Beschäftigten mit geringen formalen Qualifikationen gefördert.
Weiterbildungsbeteiligung erhöhen und Weiterbildungskultur verbessern
Die geförderten Projekte sind stark praxisorientiert ausgerichtet: Qualifizierte Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (WBM) werden direkt in Unternehmen oder in Bestriebs-externen Institutionen etabliert und betrieblich tätig. Dadurch ist sichergestellt, dass die Projekte ihre Wirkung bereits während der Projektlaufzeit entfalten.
Akteure hin zur Sozialpartnerschaft ausweiten
In einem Großteil der Vorhaben ist eine sozialpartnerschaftliche Ausrichtung vorgesehen. Die hohe Beteiligung von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden zeigt das große Interesse beider Sozialpartner am Thema Weiterbildungsmentoring. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften beteiligen sich als Verbund- und strategische Partner oder werden durch organisationsnahe Bildungsträger repräsentiert. In sechs Projektverbünden sind beide Seiten der Sozialpartner vertreten.
KMU berücksichtigen
21 der 35 Vorhaben richten sich explizit an den Bedarfen von Kleinen Mittelständischen Unternehmen (KMU) aus. Sechs Projekte verfolgen unternehmensübergreifende Ansätze, die verschiedene Unternehmensgrößen einbeziehen. Acht Projekte zielen nicht primär auf KMU ab und erproben innovative Konzepte, etwa zur Unterstützung von Pflegeeinrichtungen.
Branchen und Regionen erreichen
18 der 35 ausgewählten Projekte verfolgen branchenübergreifende Ansätze, oftmals mit regionalem Schwerpunkt. Andere Skizzen konzentrieren sich gezielt auf einzelne Branchen, darunter Handwerk, Handel, Gesundheitswesen oder öffentliche Verwaltung.
Von betrieblicher Weiterbildung haben alle etwas: WBM-Erfolgsgeschichte entdecken
Eine Erfolgsgeschichte des WBM-Pilotprojekts
Böklunder und DöllingHareico. Beide Firmen sind Teil der zur Mühlen Gruppe (ZMG) und produzieren an den Standorten Satrup und Böklund Fleisch- und Wurstwaren. Die Betriebsräte dort haben mit Unterstützung des von 2021-2024 vom Bundesbildungsministerium geförderten Projekts "Mentoren.Bilden.Zukunft" der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) für 47 ihrer Kolleginnen und Kollegen den Weg zu einem vollwertigen Berufsabschluss möglich gemacht. Die NGG kümmerte sich um die Qualifizierung von Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren im Unternehmen und diese sorgten für die Weiterqualifizierung von an- und ungelernten Beschäftigten zu Maschinen- und Anlagenführern, kombiniert mit der Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Dies erfolgte alles während der Arbeitszeit im Unternehmen und ohne Lohnverlust. Das Projekt wurde im Rahmen der Verleihung des Deutschen Betriebsräte-Preises in Bonn mit dem Sonderpreis "Transformation mitbestimmen" ausgezeichnet. Wir gratulieren ganz herzlich!
Unternehmen sind Anpacker für eine Steigerung der Weiterbildungsbeteiligung
Deutschland hat sich im Rahmen der EU-Strategie 2030 das Ziel gesetzt, die Weiterbildungsbeteiligung Beschäftigter auf 65 Prozent zu erhöhen. Drei Viertel (77 Prozent) der beruflichen Weiterbildungen werden von Unternehmen initiiert oder finden dort statt; doch Unternehmen stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Gerade in Zeiten des Fach- und Arbeitskräftemangels sowie der digitalen Transformation ist die berufliche Weiterbildung ein zentraler Hebel, um Kenntnisse und Fähigkeiten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in den Unternehmen zu erweitern, Arbeits- und Fachkräfte zu sichern und so die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft dauerhaft sicherzustellen.
Anteil der Weiterbildungsaktivitäten nach Weiterbildungssegmenten im Jahr 2022
Quelle: Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2022 (AES-Trendbericht, Stand März 2024)
-
77 %
Betriebliche Weiterbildung
-
15 %
Nicht berufsbezogene Weiterbildung
-
7 %
Individuelle berufsbezogene Weiterbildung
Unternehmen als Orte von Demokratie und Zusammenhalt
Unternehmen sind nicht nur wirtschaftliche Akteure, sondern auch Orte von Integration, Solidarität und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Eine starke Weiterbildungskultur stärkt nicht nur Qualifikationen, sondern auch Motivation, Teilhabe und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten.
Mit der bundesweiten Förderung der Weiterbildungsmentorinnen und Weiterbildungsmentoren setzt das Bundesbildungsministerium ein klares Signal: Investitionen in Weiterbildung sind Investitionen in wirtschaftliche Stabilität, soziale Stärke und die Zukunftsfähigkeit Deutschlands.
Anteil der betrieblichen Weiterbildungsbeteiligungen nach beruflicher Qualifikation im Jahr 2022
Quelle: Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2022 (AES-Trendbericht, Stand März 2024)
-
28 %
Ohne Berufsabschluss
-
48 %
Berufliche Ausbildung
-
63 %
Meister/Fachschule
-
66 %
Hochschulabschluss
Förderrichtlinie zur Steigerung und Stärkung der berufsbezogenen Weiterbildung durch Qualifizierung und Etablierung von WBM
Grundlage der Förderung bildet die WBM-Förderrichtlinie zur Steigerung und Stärkung der berufsbezogenen Weiterbildung durch die Qualifizierung und Etablierung von Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (WBM).
- Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren-Förderrichtlinie vom 14. November 2024
- Änderungsbekanntmachung vom 10. Juli 2025
Nähere Informationen und weitere Dokumente zur WBM-Förderung finden Sie auch auf der WBM-Seite des Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Ein Beispiel ist die neu erschienene Orientierungshilfe zur Qualifizierung von Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren. Die Publikation bietet Akteuren der berufsbezogenen Weiterbildung, die Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (WBM) qualifizieren und einsetzen möchten, eine Orientierungshilfe. Sie bündelt Erfahrungen aus WBM-Projekten und enthält praxisnahe Impulse.
Der Arbeitsbereich 4.2. des BIBB setzt die WBM-Förderung administrativ um und begleitet wissenschaftlich (E-Mail: wbm@bibb.de; Telefon: 0228/107 1155).
Begleitgremium „Weiterbildungsmentoring“
Nachdem am 28./ 29. April 2026 die projektinterne Auftaktveranstaltung stattfindet, konstituiert sich am 12. Mai 2026 das Begleitgremium „Weiterbildungsmentoring“. Das operative Begleitgremium dient dem strukturierten Austausch. Durch aktive Einbindung von Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen, Weiterbildungspraxis und regionalen Netzwerken wird der Praxistransfer gezielt unterstützt und der Wissenstransfer in relevante Fachkreise aktiv mitgestaltet.