Am 22. Januar hat Bundesbildungsministerin Karin Prien in der Alten Aula der Universität Heidelberg die Heidelberger Hochschulrede zum Jahr 2026 gehalten. Schwerpunkt der Rede waren die Perspektiven der Antisemitismusprävention im schulischen und außerschulischen Kontext nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2026.
Karin Prien: "Antisemitismus ist hartnäckig und zeigt sich besonders in Krisenzeiten. In Deutschland stand lange Zeit außer Frage, dass Jüdisches Leben nach dem Menschheitsverbrechen der Shoah geschützt werden muss, um ein 'Nie wieder!' garantieren zu können. Der 7. Oktober und die nachfolgenden antisemitischen Vorfälle in Deutschland - aber auch international - haben diese Gewissheit erschüttert.
Vor diesem Hintergrund ist Bildungsarbeit kein bloßer Zusatzauftrag, kein 'nice to have'. Bildung ist immer auch Ausdruck dessen, was eine Gesellschaft für bewahrens- und schützenswert hält. Sich mit Antisemitismus in all seinen Ausprägungen zu befassen, historisch wie gegenwärtig, ist unverzichtbarer Bestandteil einer funktionierenden Demokratiebildung."
Moderne Sicht auf jüdisches Leben vermitteln
Die Bundesbildungsministerin plädierte für eine multiperspektivische antisemitismuskritische Bildungsarbeit, die Antisemitismus in seinen unterschiedlichen Formen und sozialen Verortungen betrachtet. Sie betonte die Notwendigkeit, nicht allein Wissen zu Antisemitismus oder Jüdischer Kultur zu vermitteln, sondern auch eine moderne, lebendige Sicht auf jüdisches Leben in Deutschland zu etablieren.
Die Heidelberger Hochschulreden
Organisiert werden die Heidelberger Hochschulreden von der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, die 1979 gegründet wurde und seit dem Oktober 2024 von Dr. Andreas Brämer als Rektor geleitet wird. Die Heidelberger Hochschulreden gibt es bereits seit 2005. Die erste Rede hielt Marcel Reich-Ranitzki. Ihm folgten zahlreiche prominente Rednerinnen und Redner, wie beispielsweise Dr. Angela Merkel, Dr. Josef Schuster oder auch Carolin Emcke.