Stressprävention für Kinder im Grundschulalter
Rund 17 Prozent aller Grundschulkinder zeigen auffällige psychische Befunde. Allgemeine Daten für Deutschland weisen darauf hin, dass etwa ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen mit einer psychischen Störung leben. Besonders zeigen sich Ängste, ADHS, Lernstörungen, Depressionen und Sucht- oder Essstörungen. Kinder aus armutsgefährdeten Familien sind mit fast einem Drittel deutlich stärker betroffen. Folgen sind neben schlechteren Schulleistungen auch langfristige psychische Belastungen: Drei Viertel aller psychischen Störungen und Erkrankungen im Lebensverlauf beginnen im Kindes- und Jugendalter.
Je früher Prävention psychischer Erkrankungen im Lebensverlauf ansetzt, desto wirkungsvoller können Folgen psychischer Belastungen vermieden werden. Gesundheitsförderliche Verhaltensweisen müssen langfristig und frühzeitig eingeübt werden. Neben den Eltern kommt dabei dem Bildungs- und Sozialbereich eine zentrale Rolle zu, gesundheitsförderndes Verhalten zu vermitteln.
Deshalb hat das Bundesjugendministerium Materialien gefördert, mit denen sich Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren niedrigschwellig dem Thema Stress annähern und Strategien zur Vermeidung oder Bewältigung erlernen können. Die Medienpädagogin und Autorin Anja von Kampen hat mit der Figur Knietzsche den Animationsfilm "Knietzsche und die Tricks gegen Stress", das gleichnamige Mini-Buch sowie einen Workshop und einen digital beschreibbaren Stundenplan zum Herunterladen entwickelt.
Die Materialien richten sich an Familien, Grundschulen und weitere Institutionen, in denen mit Kindern gearbeitet wird (unter anderem Sozialarbeit, Familienbildung und -beratung, psychologische/psychotherapeutische Einrichtungen, kommunale, außerschulische Anbieter offener Kinder- und Jugendarbeit).
Alle Materialien sind kostenfrei verfügbar.
SOS-Mental Health Peers: Ein Präventionsprogramm für die Schulsozialarbeit
Gemeinsam mit dem SOS Kinderdorf e. V. hat das Bundesjugendministerium ein Kooperationsprojekt zur Stärkung der mentalen Gesundheit gefördert. Das zentrale Ziel des Präventionsprogramms "Wir zusammen - SOS-Mental Health Peers" ist es, Kinder und Jugendliche sowie pädagogische Fachkräfte für das Thema psychische Gesundheit zu sensibilisieren und im Umgang mit psychischen Belastungen zu stärken. Das Projekt setzt auf einen Peer-to-Peer-Ansatz, bei dem Jugendliche eine aktive Rolle in der Begleitung von Gleichaltrigen einnehmen. Dabei werden sie von pädagogischen Fachkräften begleitet und unterstützt.
Das ebenfalls im Rahmen dieser Kooperation gestaltete Web Based Training (WBT) "Traumasensibler Umgang mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen" bietet Fachkräften eine Einführung in die Traumapädagogik. Es geht darum, Fachwissen zu psychischen Belastungen und Traumata zu vermitteln, Handlungswissen aus der Traumapädagogik zu erlernen sowie Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Nummer gegen Kummer und JugendNotmail
Belastete Kinder und Jugendliche können sich an diese beiden, vom Bund geförderten Angebote wenden:
Wer sich Sorgen macht oder einen Rat braucht, kann sich an das Kinder- und Jugendtelefon der "Nummer gegen Kummer" unter 116 111 wenden. Eine Beratung ist auch online, per E-Mail oder im Chat möglich.
"JugendNotmail" ist eine Plattform und App, auf der Kinder und Jugendliche ihre Sorgen unkompliziert, vertraulich, kostenlos und datensicher teilen können. Das Online-Beratungsangebot steht Kindern und Jugendlichen rund um die Uhr zur Verfügung.