Überbetriebliche Ausbildung (ÜBA)

Damit ergänzen überbetriebliche Berufsbildungsstätten die duale Ausbildung. Indem das Bundesbildungsministerium die überbetriebliche Ausbildung fördert, sichern sie die Vermittlung relevanter Ausbildungsinhalte, wenn Betriebe dies nicht leisten können.

Chancen

  • Für ein leistungsfähiges Deutschland benötigen wir gut qualifizierte Fachkräfte. Wir fördern daher überbetriebliche Berufsbildungsstätten, die Betriebe bei der Ausbildung unterstützen.

  • Uns ist wichtig, dass junge Menschen zukunftsorientiert ausgebildet werden. Daher setzen wir uns dafür ein, dass Auszubildende in der überbetrieblichen Ausbildung in modernen Werkstätten mit zeitgemäßen Technologien und innovativen Methoden lernen.

  • Wir möchten, dass Betriebe die Fachkräfte bekommen, die sie brauchen. Die überbetriebliche Ausbildung trägt maßgeblich dazu bei. Sie stellt sicher, dass Auszubildende bundesweit gleichwertig und nah am betrieblichen Bedarf qualifiziert werden.

  • Gute Arbeit erfordert lebenslanges Lernen. Mit den Fort- und Weiterbildungsangeboten der überbetrieblichen Berufsbildungsstätten können Fachkräfte ihr Wissen erweitern und ihre Kompetenzen ausbauen.

Mehrere Auszubildende stehen hinter verschiedenen Maschinen
© iStock/monkeybusinessimages

Viele junge Menschen absolvieren ihre Ausbildung in einem kleinen oder mittleren Unternehmen (KMU). Manchmal können KMU ihren Auszubildenden nicht alle Ausbildungsinhalte vermitteln, weil ihnen zum Beispiel bestimmte Maschinen oder Technologien fehlen. In diesen Fällen unterstützen überbetriebliche Berufsbildungsstätten (ÜBS) die KMU mit der überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA).

ÜBS sind neben Betrieben und Berufsschulen der dritte Lernort und damit eine wichtige Säule im deutschen Ausbildungssystem. Ihre überbetrieblichen Lehrgänge

  • ergänzen den praktischen Teil der Ausbildung,
  • vertiefen die berufliche Grund- und Fachbildung und
  • schließen “betriebliche Lücken“ zur Ausbildungsordnung.

Damit tragen sie dazu bei, dass Auszubildende einheitlich und qualitativ hochwertig ausgebildet werden.

Der Rahmen: moderne Gebäude und Ausstattung

Damit ÜBS ihre Aufgaben gut erfüllen und auf dem neusten Stand der Technik ausbilden können, fördert das Bundesbildungsministerium sie seit den 1970er-Jahren. Seitdem können sie Fördermittel erhalten, um Gebäude zu modernisieren, neue Gebäude zu bauen oder ihre Werkstätten und Lehrräume modern auszustatten. Neue oder anders ausgestattete Räume benötigen ÜBS zum Beispiel, wenn Maschinen und Anlagen größer werden oder wenn sie neue Lehr- und Lernmethoden umsetzen möchten. Das können Gruppenarbeiten an Lerninseln sein oder Lernstationen, an denen die Auszubildenden eigenständig in ihrem Tempo lernen.

Für gutes Lernen müssen die ÜBS auch die Lernumgebung attraktiv gestalten. Dazu gehören zum Beispiel ansprechende Möbel, eine stabile IT-Infrastruktur, moderne Werkzeuge und digitale Technologien. Passt die Lernumgebung zu den Bedürfnissen der Auszubildenden, lernen sie oft motivierter. Das Bundesbildungsministerium fördert daher all das, was einen guten Rahmen für die ÜBA schafft.

Der Inhalt: moderne Ausbildungskonzepte

Technologische, ökologische und gesellschaftliche Entwicklungen verändern die Arbeitswelt ständig. Fachkräfte benötigen dann manchmal neues Wissen oder andere Fähigkeiten. Darauf muss die Ausbildung reagieren. Gerade für KMU kann das eine Herausforderung sein.

Damit ÜBS auch hier mit einer zeitgemäßen überbetrieblichen Ausbildung unterstützen können, fördert das Bundesbildungsministerium sie zusätzlich gezielt. Bisher gibt es folgende Fokusförderungen:

Seit 2001: Kompetenzzentren

Das Bundesbildungsministerium fördert ÜBS, die Kompetenzzentren werden möchten. Kompetenzzentren sind Leuchttürme in der ÜBS-Landschaft. Sie entwickeln innovative Qualifizierungsangebote für mehr Qualität in der beruflichen Bildung und passen die überbetriebliche Ausbildung kontinuierlich an den technologischen und sozioökonomischen Wandel an.

Seit 2008: Berufsorientierung

Seit 2008 verfolgt das Berufsorientierungsprogramm das Ziel, Jugendlichen Perspektiven für ihre berufliche Laufbahn aufzuzeigen. Durch eine frühe, potenzialorientierte Berufsorientierung sollen sie ihre Stärken erkennen und Berufe möglichst realistisch und praxisnah erleben. Dafür bieten sich unter anderem die Werkstätten der ÜBS an: Junge Menschen können hier gefahrlos, aber unter realistischen Bedingungen Berufe kennenlernen. Berufsorientierung ist daher seit 2008 oft Teil des ÜBS-Angebots.

2012 bis 2013: Elektromobilität

Mit dem Förderprogramm “Spannend ausbilden! E-Mobilität in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten“ reagierte das ehemalige BMBF 2012 mit zusätzlichen Fördermitteln in Höhe von 5 Mio. Euro auf neu entstehende Qualifizierungsbedarfe, insbesondere in den Bereichen Kfz-Mechatronik, Zweiradtechnik und Elektrotechnik. Damit konnten ÜBS die Auszubildenden frühzeitig auf die veränderten Qualifikationsanforderungen vorbereiten.

2016 bis 2023: Digitalisierung

Mit dem Sonderprogramm ÜBS-Digitalisierung bestärkte das Bundesbildungsministerium ÜBS darin, “digitaler“ zu werden. Gefördert wurde unter anderem die Anschaffung digitaler Technologien – von Tablets und Smartphones über 3D-Drucker und Laserscanner bis hin zu Melkrobotern und Simulatoren. Zudem überlegten und erprobten ÜBS-Projektteams, wie digitale Technologien in der überbetrieblichen Ausbildung eingesetzt werden können. Auch das Lernen und Lehren gestalteten sie digitaler, zum Beispiel mit Erklärvideos, Apps oder Lernplattformen.

2023 bis 2028: Exzellente Bildungsangebote

Mit der Initiative für eine exzellente überbetriebliche Ausbildung (INex-ÜBA) sollen ÜBS exzellente Lern- und Lehrorte werden. Dazu fördert das Bundesbildungsministerium Projekte, die die überbetriebliche Ausbildung neu denken. Die Projekte planen zum Beispiel künstliche Intelligenz in der ÜBA einzusetzen, um Auszubildende individuell beim Lernen zu unterstützen. Auch ökologische Nachhaltigkeit ist ein Thema. So sollen Auszubildende bestimmter Branchen (zusätzliches) Wissen über erneuerbare Energien erwerben. Viele Projekte beschäftigen sich zudem mit den zunehmenden Unterschieden in den Lernvoraussetzungen und im Lernverhalten der Auszubildenden. Sie entwickeln als Antwort darauf unter anderem flexible und modulare Lehr- und Lernkonzepte.

Zeitstrahl zur Entwicklung der überbetrieblichen Ausbildung

© BMBFSFJ

Textalternative

Die Grafik zeigt die zeitliche Entwicklung der überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) von 1978 bis 2023 in Form eines horizontalen Zeitstrahls.

 

  • 1978 beginnt die Förderung mit dem Schwerpunkt Bau und Ausstattung. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) startet aus Mitteln des Bundesbildungsministeriums die Förderung von Bau- und Ausstattungsvorhaben in ÜBS.
  • Im Jahr 2001 folgt der Schwerpunkt Kompetenz. ÜBS werden bei der Weiterentwicklung zu Kompetenzzentren gefördert, um die Ausbildungsqualität zu verbessern.
  • 2008 wird das Berufsorientierungsprogramm ins Leben gerufen, um junge Menschen bei der Orientierung im Übergang von Schule in Ausbildung zu unterstützen.
  • Ab 2012 liegt der Fokus auf E-Mobilität. Für mehr Qualifizierung im Bereich E-Mobilität startet das Förderprogramm „Spannende Ausbildung!“.
  • 2016 heißt der Schwerpunkt Digitalisierung. Im Sonderprogramm „ÜBS-Digitalisierung“ entstehen Projekte, die digitale Technologien und Inhalte in die Ausbildung integrieren.
  • Seit 2023 steht der Schwerpunkt Exzellenz im Mittelpunkt. Mit dem Programm „INex-ÜBA“ werden Projekte zur Qualitätssicherung und -steigerung auf den Weg gebracht.

Die Fokusförderungen zeigen: Das Bundesbildungsministerium unterstützt die ÜBS gezielt dabei, ihr überbetriebliches Ausbildungsangebot an aktuelle Entwicklungen anzupassen und bedarfsgerecht zu gestalten. Die überbetriebliche Ausbildung ist damit ein entscheidender Faktor, um die Wirtschaft mit zeitgemäß ausgebildeten Fachkräften zu versorgen. Auch die Auszubildenden profitieren: Sie sind besser auf die aktuellen und kommenden Anforderungen in ihrem Beruf vorbereitet.

Dass die Förderung greift, belegt zum Beispiel die Evaluation des Sonderprogramms ÜBS-Digitalisierung. Viele ÜBS gaben an, dass das Förderprogramm für sie der Auslöser war, um sich mit der Modernisierung der Ausbildung auseinanderzusetzen. Das Programm wird daher im Ergebnis als “digitales Aufholprogramm“ bewertet, durch das digitale Technik in vielen ÜBS flächendeckend Einzug gehalten hat.

Mehr Exzellenz in der ÜBA

Neben sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen sind die Attraktivität und Qualität der beruflichen Bildung weiterhin wichtige Themen. Seit 2025 möchte das Bundesbildungsministerium diese mit der “Initiative für eine exzellente überbetriebliche Ausbildung (INex-ÜBA)“ stärken. ÜBS werden dabei in ihrer Weiterentwicklung zu exzellenten Lehr- und Lernorten unterstützt.

Die 28 in 2025 gestarteten Projekte setzen Ideen für eine qualitativ hochwertige und innovative überbetriebliche Ausbildung um. Dabei suchen sie nach Wegen, um die Organisation und Durchführung der ÜBA zu verbessern – unter anderem mit modernen Technologien wie künstlicher Intelligenz. Außerdem entwickeln viele Projekte Schulungen für Ausbildende, um deren Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz zu erhöhen. Am Ende sollen die erprobten Konzepte nachhaltig in der ÜBA verankert und in andere Bildungsstätten transferiert werden.

Was ÜBS leisten - Fazit

ÜBS unterstützen Betriebe, insbesondere KMU, mit der ÜBA bei der Vermittlung berufsrelevanter Kompetenzen. Durch unterschiedliche Maßnahmen vom Übergang “Schule - Beruf“ bis hin zur beruflichen Weiterbildung tragen sie zur beruflichen Qualifizierung der Fachkräfte bei. Dabei reagieren sie flexibel auf Veränderungen, um die Fachkräfte in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen.

Fragen und Antworten zur überbetrieblichen Ausbildung 

Ich mache eine Ausbildung - muss ich dann auch in die ÜBA?

Die ÜBA gibt es in fast allen Berufen. Im Handwerk ist die ÜBA verbindlich geregelt – das heißt, die meisten Auszubildenden im Handwerk gehen in die ÜBA. In allen anderen Branchen hängt es vom Ausbildungsbetrieb ab. Kann er Ausbildungsinhalte nicht vermitteln, schickt er seine Auszubildenden in die ÜBA.

Wo findet die ÜBA statt?

Die ÜBA findet in den überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) statt. ÜBS gehören zum Beispiel zu Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern oder Landwirtschaftskammern. In wenigen Fällen gibt es auch private Anbieter, die überbetriebliche Ausbildungslehrgänge anbieten.

Wie sieht eine überbetriebliche Berufsbildungsstätten (ÜBS) aus?

In jeder ÜBS gibt es Werkstätten und Lernräume, die mit berufsspezifischen Werkzeugen und (digitalen) Technologien ausgestattet sind. In der Landwirtschaft gibt es oft auch Ställe mit Tieren und in der Bauwirtschaft große Außengelände mit Baggern und anderen Fahrzeugen.

Ein Beispiel gibt es hier: https://view.3dimpuls.de/tour/ueaz-glauchau-ausbildungsgebaeude

Was bringt mir die ÜBA?

Die Fähigkeit, Probleme zu lösen, gewerkeübergreifend zu denken und mit moderner Technik umzugehen – Auszubildende erwerben in der ÜBA Wissen, das ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöht. Da die ÜBA am betrieblichen Bedarf orientiert ist, sind Auszubildende gut auf den Arbeitsalltag vorbereitet.

Kann ich in der ÜBA meine digitalen Kompetenzen stärken?

Ja. In der ÜBA werden oft digitale Technologien genutzt. So üben Auszubildende z. B. das Fahren eines Baggers am Simulator oder lernen mit Hilfe von Augmented Reality einen Schaltschrank zu verkabeln. Ganz neu: Immer mehr ÜBS erproben, wie künstliche Intelligenz in der ÜBA eingesetzt werden kann.