Aktuelle Meldungen

9. Fachtag und Netzwerktreffen

Projekt "Pausentaste": Junge Pflegende auf ihrem Bildungsweg stärken

Fast 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland pflegen ein krankes Familienmitglied - das Projekt "Pausentaste" bietet ihnen ein niedrigschwelliges Beratungsangebot © Amrei Schulz/BMBFSFJ/photothek.de

Beim 9. Fachtag und Netzwerktreffen des Projekts "Pausentaste - Wer anderen hilft, braucht manchmal selber Hilfe" am 20. Oktober standen die Bildungswege von sogenannten Young Adult Carers im Mittelpunkt. Der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Ingo Behnel, eröffnete den Fachtag und gab bekannt, dass das Projekt bis Ende 2028 fortgesetzt wird.

Ingo Behnel: "Das Projekt 'Pausentaste' ist ein niedrigschwelliges bundesweites Beratungsangebot für junge Pflegende: Überlastung und Isolation junger Pflegenden vermeiden, aber auch zeigen: Pflege kennt kein Alter! Danke für diesen Einsatz!"

Pflege und Ausbildung vereinbaren

Der Fachtag 2026 widmete sich den besonderen Herausforderungen von Young Adult Carers an Hochschulen, Universitäten und in der beruflichen Ausbildung. Wer zeitlich stark in die Pflege von Familienmitgliedern eingebunden ist, kann in seinen Bildungsentscheidungen eingeschränkt werden. Das Projekt "Pausentaste" hat bereits Materialien für Schulen und Hochschulen entwickelt, um pädagogische Fachpersonen zu sensibilisieren.

Junge Pflegende sichtbar machen und gesetzlich stärken

Fast 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland kümmern sich um ein krankes Familienmitglied. Die tatsächliche Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, da viele junge Menschen sich nicht als Pflegende verstehen. Die "Nummer gegen Kummer" als Projektpartner verzeichnete im Jahr 2025 über 2000 Beratungen zu Themen der Pausentaste. Auch die Website des Projekts wird stark genutzt: Im vergangenen Jahr zählte sie knapp 20.000 Aufrufe.

Ein weiterer Schritt für mehr Sichtbarkeit junger Pflegender wurde im Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) verankert: Im Abschnitt zur Pflegebegleitung wurde klargestellt, dass zukünftig die besonderen Belange pflegender Eltern sowie pflegender Kinder und Jugendlicher berücksichtigt werden.

AlphaBündnis 2027-2035

Bund und Länder stärken Alphabetisierung und Grundbildung

Ein Lehrer erklärt etwas vor einer Gruppe Erwachsener in einem Klassenraum.
Das AlphaBündnis unterstützt ab Januar 2027 Grundbildungszentren und Netzwerke für Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten © iStock / Drazen Zigic

Rund jeder fünfte Erwachsene zwischen 16 und 65 Jahren in Deutschland verfügt nur über geringe Lesekompetenzen. Für die Betroffenen bedeutet dies häufig erhebliche Hürden im Alltag, Beruf und bei der gesellschaftlichen Teilhabe. Um mehr Menschen beim Erwerb grundlegender Kompetenzen zu unterstützen, setzen Bund und Länder ihre Zusammenarbeit fort.

Die 9. Bildungsministerkonferenz und das Bundesbildungsministerium haben am 16. Oktober 2026 in Berlin das Bündnis für Alphabetisierung und Grundbildung 2027-2035 (AlphaBündnis) beschlossen. Es startet am 1. Januar 2027 und knüpft damit nahtlos an die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (AlphaDekade) an.

Bundesbildungsministerin Karin Prien: "Lesen und Schreiben zu lernen verändert das Leben: Es stärkt die Selbstständigkeit und eröffnet neue Chancen im Beruf, im Alltag und in der Gesellschaft. Die AlphaDekade hat gezeigt, wie wichtig Lernangebote sind, die an den Lebenslagen der Menschen ansetzen und Vertrauen schaffen. Diese Erfahrungen wollen wir mit dem AlphaBündnis breiter nutzbar machen. Gute Grundbildung ist eine gemeinsame Aufgabe und eine wichtige Investition in die Zukunft. Der Bund fördert Forschung und innovative Ansätze, damit mehr Erwachsene passende Unterstützung finden und längerfristig lernen können. Dabei nehmen wir auch digitale Lernmöglichkeiten sowie Gesundheits- und Familiengrundbildung in den Blick."

Anna Stolz, Präsidentin der Bildungsministerkonferenz und Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus: "Sicheres Lesen und Schreiben sind entscheidend, um den Alltag selbstständig zu meistern und Chancen im Beruf zu nutzen. Mit der AlphaDekade haben Bund und Länder wichtige Grundlagen geschaffen: Wir haben regionale Netzwerke aufgebaut und Lernangebote dorthin gebracht, wo die Menschen sind - etwa in Volkshochschulen, Familienzentren oder am Arbeitsplatz. Mit dem neuen AlphaBündnis gehen wir diesen Weg konsequent weiter. Wir wollen noch mehr Menschen erreichen, Grundbildung und berufliche Qualifizierung besser miteinander verbinden und erfolgreiche Angebote gezielt weiterentwickeln. Denn Grundbildung ist und bleibt eine Daueraufgabe. Und genau deshalb braucht es auch künftig unseren gemeinsamen Einsatz"

Lesekompetenz prägt Gesundheit und Teilhabe

Eine vom Bundesbildungsministerium geförderte Sonderauswertung der PIAAC-Daten zeigt Unterschiede bei der politischen Selbstwirksamkeit und der Einschätzung der eigenen Gesundheit: 61 Prozent der Erwachsenen mit geringen Lesekompetenzen fühlen sich politisch selbstwirksam, gegenüber 83 Prozent der Erwachsenen mit Lesekompetenzen ab PIAAC-Stufe 2. 

42 Prozent der Erwachsenen mit geringen Lesekompetenzen bewerten ihre Gesundheit ungünstig, gegenüber 23 Prozent in der Vergleichsgruppe. Das AlphaBündnis berücksichtigt deshalb auch alltagsnahe Themen wie demokratische Grundbildung, Gesundheits- und Familiengrundbildung.

Zielgruppen gezielter erreichen und Strukturen stärken

Ein Schwerpunkt des AlphaBündnisses liegt auf einer gezielteren Ansprache der Zielgruppen und der Weiterentwicklung von Strukturen und unterstützenden Netzwerken. Die Angebote sollen stärker an den unterschiedlichen Lebenslagen und Grundbildungsbedarfen ausgerichtet werden. Niedrigschwellige, lebenswelt- und arbeitsorientierte Zugänge werden ausgebaut. Auch aufsuchende und soziale Lernformate sollen dazu beitragen, mehr Menschen zu erreichen. Lern- und Unterstützungsangebote werden thematisch und methodisch weiterentwickelt, um die Motivation und die Fähigkeit zum Lernen zu stärken und längerfristige Lernmöglichkeiten zu eröffnen. Ein Augenmerk gilt jungen Erwachsenen, die beim Übergang in Ausbildung und Beruf Unterstützung beim Erwerb grundlegender Kompetenzen benötigen.

Die Länder entwickeln im Rahmen verfügbarer Haushaltsmittel die in der AlphaDekade aufgebauten Grundbildungszentren, Netzwerke sowie niedrigschwelligen Lern- und Beratungsangebote weiter und prüfen, wie erfolgreiche Modelle auf weitere Regionen und bestehende Strukturen übertragen werden können. Zudem sollen die Schnittstellen insbesondere zu Arbeit und Integration weiter gestärkt und Kooperationen mit Akteuren aus Wirtschaft und Gesellschaft ausgebaut werden.

Der Bund übernimmt Verantwortung für Forschung und Entwicklung sowie die Erprobung innovativer Ansätze. Das Bundesbildungsministerium fördert Pilotprojekte, unterstützt die wissenschaftliche Begleitung und Forschung und bereitet erfolgreiche Modelle auf die Übertragung in die breite Praxis auf. Ein kontinuierlicher Erfahrungsaustausch zwischen Bund und Ländern soll bestehende Angebote besser aufeinander abstimmen und ihre Wirksamkeit erhöhen.

Hintergrund

Die 2016 gestartete AlphaDekade hat wichtige Grundlagen für die Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland geschaffen. Die Länder haben Grundbildungszentren und regionale Netzwerke auf- und ausgebaut. Im Rahmen der geförderten Maßnahmen wurden mehr als 500 Lehr-, Lern- und Sensibilisierungsmaterialien entwickelt und neue Lernangebote erprobt - etwa am Arbeitsplatz, in Familienzentren oder im unmittelbaren Lebensumfeld der Menschen.

Die Erfahrungen zeigen, dass vertraute Menschen und Orte den Zugang zu Bildung erleichtern und lebensnahe Themen die Lernmotivation fördern können. Arbeitsorientierte Grundbildung unterstützt Beschäftigte dabei, ihre Kompetenzen zu erweitern, und kann einen Beitrag gegen den Arbeits- und Fachkräftemangel leisten. Zudem hat die AlphaDekade dazu beigetragen, Vorurteile gegenüber Erwachsenen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten abzubauen. Die gewonnenen Erkenntnisse und geschaffenen Strukturen bilden die Grundlage für das neue AlphaBündnis.

Die AlphaDekade wird am 1. Dezember 2026 mit einer Abschlusskonferenz offiziell beendet. Das neue AlphaBündnis führt die Zusammenarbeit von Bund und Ländern ab Januar 2027 nahtlos fort.

71. Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen

Ab sofort für die deutsche Regierungsdelegation bewerben

Die General Assembly Hall der Vereinten Nationen in New York City
Die Frauenrechtskommission ist die Fachkomission der Vereinten Nationen für Gleichstellung der Geschlechter und für die Förderung von Frauenrechten © Am Media Group/ Johnny Vacar

Vom 8. bis zum 19. März 2027 findet die 71. Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen (FRK) im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York statt. Die FRK tagt zum Schwerpunktthema "Beschleunigung der Verwirklichung der Geschlechtergleichstellung und der Stärkung aller Frauen und Mädchen im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung". Unter Leitung von Bundesfrauenministerin Karin Prien werden auch 2027 wieder zivilgesellschaftliche Vertreterinnen und Vertreter in die Regierungsdelegation aufgenommen. Bewerbungen sind bis zum 6. November 2026 möglich.

 

 

Zivilgesellschaft bringt wichtige Expertise ein

Zivilgesellschaftliche und gemeinnützige Organisationen, Bürgerinitiativen, Vereinigungen und Verbände leisten in ihrer beratenden Funktion mit ihrer fundierten Expertise einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung des aktuellen globalen politischen Rahmens und sind damit wesentlicher Bestandteil der Arbeit der FRK. Ziel ist es, die Rolle der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter zu stärken.

Auch 2027 ist geplant, eine begrenzte Zahl von Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft mit Expertise in diesem Schwerpunktbereich in die ressortübergreifende FRK-Regierungsdelegation Deutschlands aufzunehmen. Die Teilnahme ermöglicht den Organisationen, eine beratende Funktion für die Bundesregierung während der FRK anzunehmen. Außerdem erlangen sie Zugang zum Hauptgebäude der Vereinten Nationen.

Bewerbung und wichtige Hinweise

Bewerbungen werden bis zum 6. November 2026 entgegengenommen. Dabei sind der Aufruftext und die Auswahlkriterien zu beachten. Die Teilnahme der Ministerinnen und Minister findet 2027 erst in der zweiten Woche der FRK statt, also ab dem 15. März 2027. Mit der Delegationsteilnahme ist keine Kostenübernahme verbunden - die logistische Organisation von Flug, Übernachtung und Visum müssen die zivilgesellschaftlichen Organisationen selbst übernehmen.

Der Bewerbungsaufruf und der Kriterienkatalog enthalten weitere Informationen.

Kinder- und Jugendmedienschutz

Bundesregierung beschließt Eckpunkte für Kinder- und Jugendmedienschutz

Jugendlicher mit Mobiltelefon
Kinder und Jugendliche sollen im Internet besser geschützt werden © iStock/finwal

Am 14. Oktober hat die Bundesregierung die von Bundesbildungs- und -familienministerin Karin Prien vorgelegten Eckpunkte zum Kinder- und Jugendmedienschutz beschlossen. Damit beginnt nach Abschluss der Arbeit der Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" die konkrete Umsetzung erster Maßnahmen. Die 56 Handlungsempfehlungen der Kommission bilden dafür eine zentrale Grundlage.

Karin Prien: "Die Analyse ist vorbei, jetzt geht es an die Umsetzung: Mit den Eckpunkten für den Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt schaffen wir als Bundesregierung die Grundlage, damit Kinder und Jugendliche auch in der digitalen Welt sicher und selbstbestimmt aufwachsen können. Schutz, Befähigung und Teilhabe - das ist unser Auftrag. Das Netz ist längst der Alltag insbesondere der Jugendlichen - deshalb wollen wir sie auch nicht aus der digitalen Welt aussperren, sondern sie stark und wetterfest machen. Schluss mit Cybermobbing genau wie mit Dauer-Scrolling! Wir nehmen die Plattformbetreiber konsequent in die Pflicht und stärken Eltern den Rücken - sie erziehen die Kinder, das überlassen wir nicht den Algorithmen von Konzernen."

Schutz, Befähigung und Teilhabe stärken

Die Bundesregierung verfolgt einen Dreiklang aus Schutz, Befähigung und Teilhabe. Kinder und Jugendliche sollen vor Gefahren geschützt, zugleich zu einem kompetenten und selbstbestimmten Umgang mit digitalen Angeboten befähigt werden und an der digitalen Welt teilhaben können. Mit den Eckpunkten legt die Bundesregierung dar, welche ersten Maßnahmen sie auf dieser Grundlage umsetzen will.

Klare Regeln für Plattformen und soziale Netzwerke schaffen

Ein Schwerpunkt liegt auf der europäischen Regulierung. Die Bundesregierung wird sich in den Verhandlungen zum EU KIDS Act, die das Bundesfamilienministerium für Deutschland federführend begleitet, dafür einsetzen, dass unter 13-Jährige grundsätzlich keinen Zugang zu sozialen Netzwerken haben und dass das Prinzip "Safety by Design" konsequent umgesetzt wird.

Dazu gehört, suchtfördernde Designs bereits bei der Entwicklung digitaler Anwendungen zu verhindern. Algorithmische Empfehlungssysteme sollen standardmäßig deaktiviert sein. Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu begrenzen und zu verhindern, dass schädliche Dienste überhaupt auf den Markt kommen.Zugleich sollen Eltern davon entlastet werden, die Geräte ihrer Kinder selbst umfassend absichern zu müssen. 

Der Vorschlag der Europäischen Kommission für den EU KIDS Act sieht neben Vorgaben für soziale Netzwerke auch abgestufte Regelungen für Online-Games, App-Stores, Betriebssysteme und Künstliche Intelligenz (KI)-Begleiter vor.

Nationale Übergangsregelung für soziale Netzwerke einsetzen

Solange auf europäischer Ebene kein Mindestalter für die Nutzung sozialer Netzwerke festgelegt ist, will die Bundesregierung eine nationale Übergangsregelung schaffen. Diese soll Kindern unter 13 Jahren die Nutzung sozialer Netzwerke grundsätzlich untersagen. Ausgenommen sein sollen nachweislich kindgerechte Angebote. Für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren sind abgestufte Nutzungsbeschränkungen vorgesehen.

Altersverifikation stärken

Eine verlässliche Altersverifikation ist eine wichtige Voraussetzung für wirksamen Kinder- und Jugendschutz. Die Bundesregierung wird deshalb ab 2027 mit der deutschen Umsetzung der EUDI-Wallet "d-you"eine zuverlässige Möglichkeit zur Altersverifikation gegenüber digitalen Diensten bereitstellen.

Digitale Lebenswelt in der Kinder- und Jugendhilfe verankern

Die Kinder- und Jugendhilfe soll stärker auf die digitale Lebenswelt junger Menschen ausgerichtet werden. Dies soll im Achten Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) klargestellt werden. 

Dabei steht die präventive Förderung von Medienkompetenz im Mittelpunkt, welche unter anderem im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz, in der Jugendarbeit, der Jugend- und Schulsozialarbeit sowie der Familienbildung verankert werden soll.

Eltern stärken - Plattformen in die Verantwortung nehmen

Für eine sichere digitale Umgebung sind in erster Linie die Plattformbetreiber verantwortlich. Ergänzend begleiten Eltern die Mediennutzung ihrer Kinder entsprechend deren Alter und Reife. Sie gestalten die Medienerziehung eigenverantwortlich und am Wohl des Kindes orientiert. Eine bundesweite Informations- und Sensibilisierungskampagne soll Eltern über Gefahren digitaler Medien informieren und auf Unterstützungsangebote hinweisen. 

Die Verantwortung der Online-Plattformen wird dadurch nicht auf die Eltern verlagert. Vielmehr sollen Anbieter stärker in die Pflicht genommen werden.

Medienkompetenz von Anfang an aufbauen

Kinder und Jugendliche sollen zu einem selbstbestimmten Umgang mit digitalen Angeboten befähigt werden. Deshalb will die Bundesregierung die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Fachkräften stärken.

Dazu gehört auch der Umgang mit KI. Kinder und Jugendliche sollen KI-Anwendungen erkennen, ihre Möglichkeiten und Risiken reflektiert einschätzen und sie kompetent nutzen und mitgestalten können.

Mit dem "KI-Seepferdchen" will die Bundesregierung zeitnah ein altersgerechtes Angebot zur Vermittlung von KI-Basiskompetenzen für Kinder im Grundschulalter auf den Weg bringen und dessen bundesweit einheitliche Verbreitung fördern. 

Zugleich setzt sich die Bundesregierung für den Ausbau und die Weiterentwicklung kindgerechter Online-Angebote ein. Sie sollen Kindern altersgerechte Medienerfahrungen ermöglichen.

Gesundheitliche Folgen früher erkennen

Die Bundesregierung will die gesundheitliche Vorsorge stärker nutzen, um Eltern frühzeitig über die Folgen übermäßiger Mediennutzung zu informieren. Dabei sollen auch Gesundheitsrisiken besser erkannt und Eltern gezielt beraten werden.

Das Bundesgesundheitsministerium hat im August 2026 eine Förderrichtlinie zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Bildschirmmedien auf Kinder im Alter von null bis sechs Jahren veröffentlicht. Ebenfalls im August beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss die Einführung einer neuen Früherkennungsuntersuchung für Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren sowie die Dokumentation der Jugendgesundheitsuntersuchung J1 im Gelben Heft.

Kinder-Online-Wache und mehr Schutz vor digitaler Gewalt einrichten

Die Bundesregierung will sich gegenüber den Ländern für die Einrichtung einer Kinder-Online-Wache einsetzen. Als kindgerecht gestaltete Variante bestehender Online-Wachen der Länder soll sie einen niedrigschwelligen Zugang ermöglichen.

Schulen und Bildungseinrichtungen sollen über das Angebot informieren. Auch ergänzende pädagogische Beratungsangebote sollen über die zentrale Kinder-Online-Wache auffindbar sein.

Gemeinsame Verantwortung wahrnehmen

Die Bundesregierung versteht den Kinder- und Jugendmedienschutz ausdrücklich als gemeinsame Aufgabe. Europäische Union, Bund, Länder und Kommunen, Plattformen und Anbieter, Schulen und Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Wissenschaft, Eltern und junge Menschen bilden eine Verantwortungsgemeinschaft.

Das Bundesfamilienministerium wird den strukturierten Austausch mit den Ländern und den zuständigen Fachministerkonferenzen aufnehmen. Zudem wird es die Umsetzung der Maßnahmen im Rahmen der Bundeszuständigkeiten ressortübergreifend koordinieren.

Die Eckpunkte bilden damit den ersten Schritt hin zu einer umfassenden Neuordnung des Kinder- und Jugendschutzes in der digitalen Welt. Die Bundesregierung wird weitere Handlungsempfehlungen der Expertenkommission prüfen und schrittweise in zusätzliche Maßnahmen überführen.

Die Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt"

Um den Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt grundlegend zu stärken und weiterzuentwickeln, hat die Bundesregierung eine unabhängige Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" eingesetzt. Am 11. September 2026 hat die Kommission mit der Vorlage ihres Abschlussberichts ihre Arbeit beendet.

Kinder- und Jugendmedienschutz

Bericht der Bundesregierung zur Evaluation des Jugendschutzgesetzes vorgelegt

Neuer InhaltProstituiertenschutzgesetz
Die Bundesregierung legt den Abschlussbericht zur Evaluation des Jugendschutzgesetzes vor © iStock / rcfotostock

Das Kabinett hat am 14. Oktober den Abschlussbericht der Bundesregierung zur Evaluation des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) beschlossen und an Bundesrat und Bundestag versandt. Paragraph 29b Satz 1 des JuSchG sieht vor, dass das Gesetz fünf Jahre nach Inkrafttreten evaluiert wird. Im Sinne der Regelung beauftragte das Bundesjugendministerium extern eine Evaluierung über die Auswirkungen des Jugendschutzgesetzes. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den Anpassungen des Gesetzes aus der Novelle im Jahr 2021, mit welcher das Jugendschutzgesetz an die digitale Realität von Kindern und Jugendlichen angepasst wurde. Ebenfalls evaluiert wurden die durch den Digital-Services-Act (DSA) vorgenommenen und durch das Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) im Mai 2024 im JuSchG nachvollzogenen Änderungen.

Novelle von 2021 nimmt digitale Risiken in den Blick

Gefahren wie Cybermobbing, Grooming, sexualisierte Gewalt, Suchtgefährdung und die Anleitung zu Selbstgefährdung im Netz erforderten einen ausgeweiteten Jugendschutz. So sah die Novelle von 2021 unter anderem neue Vorgaben für Diensteanbieter vor, die fremde Informationen speichern. Diese mussten strukturelle Vorsorgemaßnahmen ergreifen, um das Risiko für Kinder und Jugendliche zu reduzieren (sogenannte Anbieter-Vorsorgemaßnahmen). Durch die Novelle konnten bei der Vergabe von Alterskennzeichen auch außerhalb der medieninhaltlichen Wirkung liegende Umstände einbezogen werden (sogenannte Interaktions- oder Nutzungsrisiken).

Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass die Anpassungen in der Novelle von 2021 grundsätzlich geeignet waren, die in Paragraph 10a Jugendschutzgesetz festgelegten Schutzziele zu erreichen. Insbesondere die Einführung einer Plattformregulierung wird als "innovatives Regulierungsinstrument innerhalb des Jugendmedienschutzrechts" eingeschätzt, welches als "Inspirationsquelle für Artikel 28 Digital Services Act" bewertet wird.

Weitere Handlungsempfehlungen umsetzen

Mit Blick auf den notwendigen Anpassungsbedarf wird die Bundesregierung zeitnah einen Gesetzentwurf vorlegen, der zugleich Handlungsempfehlungen der unabhängigen Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" umsetzen wird.

"Wer zuletzt lacht…" - Karikaturenwettbewerb

Sieger von Karikaturen über Alter und Humor ausgezeichnet

Michael Brand hält eine Rede

Michael Brand beglückwünscht in seiner Rede die Preisträgerinnen und Preisträgern des Karikaturenwettbewerbs "Wer zuletzt lacht..." für neue Altersbilder

© Andrea Vollmer
eine alte Frau und ein alter Mann beim Sort

Kategorie 1: "Zwischen ewiger Jugend und Verletzlichkeit"

1. Preis: "Für immer dehnen" von Michi Brezel. Jurybegründung: "Dass er sich nach der Rumpfbeuge nicht mehr aufrichten kann, ist weniger komisch als die lakonische Beiläufigkeit, mit der sie eine massive Langhantel hält - physiologisch unmöglich. Ganz nebenbei drehen die Figuren Geschlechterstereotypen um."

© Michi Brezel
Ein älterer Mann sitzt beim Arzt

Kategorie 1: "Zwischen ewiger Jugend und Verletzlichkeit"

2. Preis: "20/60" von Uli Döring, Jurybegründung: "Der ältere Patient parodiert mit seiner Antwort den uralten Menschheitstraum von ewiger Jugend - und stellt indirekt die Frage, ob man gegen das Altern ankämpfen sollte. Sicher ist nur: Das Lachen darüber sollte einem nicht vergehen."

© Uli Döring
Zwei ältere Männer sitzen in einem Straßencafe

Kategorie 1: "Zwischen ewiger Jugend und Verletzlichkeit"

3. Preis: "Gut aussehen" von BECK. Jurybegründung: "Zwei ältere Herren lassen in der Tradition von Waldorf und Statler einen bitteren Witz auf eigene Kosten - ein wunderbar gezeichnetes Lehrstück in der Kunst des Loslassens."

© BECK
ein älterer Mann als Straßen-Jonglierer

Kategorie 2: "Zwischen Kreuzfahrt und knapp bei Kasse"

1. Preis: "Aktivrente" von Tom Fiedler. Jurybegründung: "Muss der alternde Jongleur mit Gehstock etwas hinzuverdienen oder sucht er das Publikum? Das Paar im teuren Wohnmobil kennt dieses Problem offensichtlich nicht. Schweres Thema, leicht verpackt und hervorragend gezeichnet."

© Tom Fiedler
zwei ältere Damen beim Sonnenbaden

Kategorie 2: "Zwischen Kreuzfahrt und knapp bei Kasse"

2. Preis: "Enkeltrick" von Bettina Schipping. Jurybegründung: "Die überraschende Pointe: Die reife Dame ist nicht das Opfer, sondern die Täterin: ein Frontalangriff auf stereotype Vorstellungen von Seniorinnen als leichter Beute für jüngere Kriminelle"

© Bettina Schipping
Zwei ältere Männer unterhalten sich auf der Straße

Kategorie 2: "Zwischen Kreuzfahrt und knapp bei Kasse"

3. Preis: "Arbeit bis zum Exitus" von Almuth Schierwater. Jurybegründung: "Die einen genießen den Ruhestand bei einem Kaffee, die anderen müssen für ihren Lebensunterhalt weiterarbeiten: genau so ist die Wirklichkeit, in verschiedenen Grautönen und mit sparsamen Mitteln passend in Szene gesetzt."

© Almuth Schierwater
Ein Mann und eine Frau gehen über die Straße

Kategorie 3: "Zwischen Boomern und Generation Z"

1. Preis: "Boomer" von Til Mette. Jurybegründung: "Nicht alle Jugendlichen sind politisch hellwach und es sind eben auch ältere Menschen, die geschlechtergerechte Sprache einfordern. Die Wirklichkeit ist vielschichtig, was diese Karikatur auf originelle und unerwartete Weise zeigt."

© Til Mette
ein älterer Mann räumt die Wohnung seiner Tochter um

Kategorie 3: "Zwischen Boomern und Generation Z"

2. Preis: "Eltern zu Besuch" von Karl-Heinz Brecheis. Jurybegründung: "Leben die geburtenstarken Boomer-Jahrgänge auf Kosten der Jüngeren? In diesem Wimmelbild verhält es sich eher umgekehrt – zugleich ein kritischer Kommentar zu den Folgen überbehütender Erziehung."

© Karl-Heinz Brecheis
Eine ältere Frau trifft einen kleinen Jungen auf der Straße

Kategorie 3. "Zwischen Boomern und Generation Z"

3.Preis: "Challenge" von Ari Plikat. Jurybegründung: "Diese Dame kennt Social Media, lebt am Puls der Zeit und ist schlagfertig, vielleicht sogar mehr als der brave Junge. Nicht nur ihre Antwort ist pfiffig, sondern auch der einzigartige Zeichenstil."

© Ari Plikat
ein älteres Paar unterhält sich im Wohnzimmer

Kategorie 4. "Zwischen Smartwatch und Wählscheibe"

Platz 1: "Fitnessuhr" von Martin Zak. Jurybegründung: "Sie kontrolliert, er schummelt, und ganz nebenbei führt der Autor den blinden Glauben an Apps vor: Es stimmt nicht alles, was auf einem Bildschirm zu sehen ist."

© Martin Zak
eine ältere Dame macht einen Podcast

Kategorie 4: "Zwischen Smartwatch und Wählscheibe"

Platz 2: "Podcast" von Katharina Greve. Jurybegründung: "Hier ist die Oma die digital kompetenteste Person im Raum und nutzt ihr Know-how völlig selbstverständlich. Eine vielschichtige und liebevolle Zeichnung, die altersstereotype Zuschreibungen umkehrt."

© Katharina Greve
eine Frau will beim Essen mit dem Handy bezahlen

Kategorie 4: "Zwischen Smartwatch und Wählscheibe"

Platz 3: "Mit Handy bezahlen" von Michi Brezel. Jurybegründung: "Ältere Menschen lassen sich trotz Orientierungsproblemen im digitalen Neuland nicht abhalten, was mitunter zu Missverständnissen führt. Diese Tragikomik fängt die Karikatur in einer einfachen Pointe ein."

© Michi Brezel

Am 8. Oktober 2026 wurden die Siegerinnen und Sieger des Karikaturen-Wettbewerbs "Wer zuletzt lacht… - Karikaturenwettbewerb für neue Altersbilder" ausgezeichnet. Michael Brand, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesseniorenministerium, und Margit Hankewitz, Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO), überreichten die insgesamt zwölf Preise.

Michael Brand: "Ältere Menschen bringen nicht nur Tonnen an Erfahrung und Kompetenz, sondern auch Tonnen an Humor mit. Immer stärker fließt auch das in die öffentliche Wahrnehmung vom Alter ein. Das eigene Bild - oder Zerrbild - vom Alter prägt den Blick auf andere, und es prägt dabei auch das Bild auf eigenes Älterwerden, auf das, was wir uns selbst im Alter zutrauen.

Falsche und auch dumme Vorurteile über das Alter in Karikaturen zu verdichten, bringt nicht nur Lachen, sondern zudem auch Nachdenklichkeit hervor. Durch Überzeichnen von Klischees werden überkommene Vorstellungen zum Alter mit Humor ins Lächerliche gezogen und zurecht hinterfragt. Vor allem darin liegt der besondere Wert des Wettbewerbs 'Wer zuletzt lacht…'.

Allen Teilnehmern kann man für diese 'coolen' Beiträge nur gratulieren - sie liefern einen wichtigen, notwendigen und dabei humorvollen Beitrag zu unserem gesellschaftlichen Diskurs zum Alter."

Humorvoll auf einseitige Altersbilder aufmerksam machen

In den vier Kategorien "Zwischen ewiger Jugend und Verletzlichkeit", "Zwischen Kreuzfahrt und knapp bei Kasse", "Zwischen Boomern und Generation Z" sowie "Zwischen Smartwatch und Wählscheibe" setzen sich die Beiträge mit einseitigen Altersbildern und Altersdiskriminierung auseinander.

Über 560 Karikaturen von Künstlerinnen und Künstlern zwischen acht und 88 Jahren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren für den Wettbewerb eingereicht worden. Eine unabhängige siebenköpfige Jury wählte daraus die prämierten Beiträge in den vier Kategorien aus. Das Preisgeld beträgt insgesamt 30.000 Euro.

Karikaturenwettbewerb "Wer zuletzt lacht…"

Der Karikaturenwettbewerb "Wer zuletzt lacht…" nimmt stereotype Vorstellungen vom Älterwerden und Altersdiskriminierung humorvoll in den Blick. Ziel des von der BAGSO durchgeführten und vom Bundesseniorenministerium geförderten Wettbewerbs ist es, Vorurteile und einseitige Altersbilder humorvoll aufzugreifen, auf das Thema Altersdiskriminierung aufmerksam zu machen und eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema anzuregen.

Deutscher Jugendliteraturpreis 2026

Dr. Petra Bahr verkündet Gewinnerinnen und Gewinner

Dr. Petra Bahr hält eine Rede
Dr. Petra Bahr verkündet die Gewinnerinnen und Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises 2026 © Sebastian Kissel

Am 9. Oktober verkündete Dr. Petra Bahr, Staatssekretärin bei der Bundesbildungsministerin, auf der Frankfurter Buchmesse die Gewinnerinnen und Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises 2026. In diesem Jahr feierte der Preis sein 70-jähriges Bestehen.

Dr. Petra Bahr: "Seit 70 Jahren zeichnet der Deutsche Jugendliteraturpreis Bücher aus, die junge Menschen in andere Welten entführen - und manchmal mitten hinein ins eigene Leben. Ein gutes Buch öffnet eine Tür. Plötzlich sind wir woanders: In einer anderen Welt, in einem anderen Leben, in der Gedankenwelt eines anderen Menschen. Diese Lust am Lesen, dieses Versinken in Geschichten, wollen wir Kindern und Jugendlichen ermöglichen. Denn Lesen ist mehr als eine Schlüsselkompetenz: Es eröffnet fremde Welten, hilft dabei, die eigene zu hinterfragen, und wenn es richtig gut läuft, bereitet es auch die Freude dazu, eigene Geschichten zu erzählen."

Herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur gewürdigt

Ziel des Deutschen Jugendliteraturpreises ist es, Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeit zu stärken und ihnen Orientierungshilfe bei einem schier unüberschaubaren Buchmarkt zu bieten. Ausgezeichnet werden herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur. Rund 1600 Gäste aus dem In- und Ausland waren bei der Preisverleihung dabei.

Eine unabhängige Jugendjury kürte ihr eigenes Preisbuch; der Preis der Jugendjury ist mit 10.000 Euro dotiert. Parallel dazu zeichnete die Kritikerjury das beste Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch aus den Verlagsproduktionen des Vorjahres aus - die Preissumme pro Sparte beträgt jeweils 10.000 Euro. Daneben vergab die Sonderpreisjury den Sonderpreis für das Gesamtwerk sowie den Sonderpreis "Neue Talente".

Der Sonderpreis "Neue Talente" ist mit 10.000 Euro dotiert und wird wie der Sonderpreis für das Gesamtwerk im jährlichen Wechsel an deutsche Autorinnen und Autoren, Illustratorinnen und Illustratoren sowie Übersetzerinnen und Übersetzer vergeben. Die Preissumme für den Sonderpreis Gesamtwerk beträgt 12.000 Euro. Insgesamt betrugen die Preisgelder in diesem Jahr 72.000 Euro. Zusätzlich erhielten alle Preisträgerinnen und Preisträger eine Bronze-Skulptur, die Michael Endes Figur Momo darstellt. Moderiert wurde die Veranstaltung im Saal Harmonie des Congress Center von Vivian Perkovic.

Der Deutsche Jugendliteraturpreis

Seit 1956 prämiert der Deutsche Jugendliteraturpreis jährlich herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur. Stifter ist das Bundesbildungsministerium, Ausrichter ist der Dachverband Jugendliteratur. Seit dem Abend der Preisverleihung können Informationen zu den ausgezeichneten Büchern unter www.jugendliteratur.org abgerufen werden. Buchtrailer zu den nominierten Kinderbüchern stehen zudem auf dem Kinderministerium (KIMI) des Bundesbildungsministeriums zur Verfügung. 

InnoVET PLUS-Wettbewerb

Fachtagung präsentiert innovative Ansätze für die Berufsbildung

Karin Prien an einem Rednerpult vor Menschen
Bundesbildungsministerin Karin Prien eröffnete im Gespräch mit Projektbeteiligten die InnoVET PLUS-Fachtagung in Berlin © BIBB

Bei der InnoVET PLUS-Fachtagung am 8. und 9. Oktober in Berlin präsentierten 28 vom Bundesbildungsministerium finanzierte Förderprojekte ihre Lösungen für Herausforderungen der beruflichen Bildung. Bundesbildungsministerin Karin Prien hat die Tagung im Gespräch mit Projektbeteiligten eröffnet. 

Karin Prien: "Die Berufliche Bildung muss mit der Transformation der Arbeitswelt Schritt halten - und ihr möglichst voraus sein. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und technologische Entwicklungen verändern Tätigkeiten und Anforderungen in immer kürzeren Zyklen. Wir müssen deshalb unser Berufsbildungssystem so weiterentwickeln, dass neue Kompetenzen schnell in der Praxis ankommen und Beschäftigte während ihres gesamten Erwerbslebens weiterlernen können. Genau darin liegt für mich der besondere Wert von InnoVET PLUS: Wir schaffen Räume, in denen Antworten auf die vielfältige Transformation entwickelt und erprobt werden. Die InnoVET PLUS-Fachtagung bringt diejenigen zusammen, die berufliche Bildung gestalten und verändern können. Wenn gute Ideen auf andere Regionen, Berufe und Akteure treffen, kann daraus neue Dynamik entstehen. Genau diesen Austausch und den Transfer erfolgreicher Ansätze unterstützen wir."

Präsidentin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Dr. Sandra Garbade: "Unser Ziel muss es sein, jungen Menschen verlässlich berufliche Perspektiven zu geben und allen Erwerbstätigen eine sichere Basis durch Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung und damit auch zum beruflichen Aufstieg zu eröffnen. Gute Dinge gelingen am besten gemeinsam - dieser Gedanke ist für mich ein wichtiger Schlüssel für Innovation und Transfer. Die Gestaltung der beruflichen Bildung lebt davon, miteinander im Dialog zu stehen, voneinander zu lernen und gemeinsam Antworten auf die Herausforderungen einer sich wandelnden Arbeits- und Lebenswelt zu entwickeln. Gemeinsam mit dem Bundesbildungsministerium und den Akteuren der beruflichen Bildung schaffen wir die Grundlage dafür, dass Innovationen nicht nur entstehen, sondern auch erprobt, weiterentwickelt und implementiert werden können. Ich freue mich sehr, dass über InnoVET PLUS dieser Weg maßgeblich unterstützt wird. Erfahrungen und Ergebnisse aus den Projekten können mit der ergänzenden Perspektive des BIBB für die gesamte Berufsbildung nutzbar gemacht werden. Wir wollen sichtbar machen, was funktioniert und den Austausch zwischen den Akteuren fördern. So sollen aus einzelnen Projekterfahrungen systemrelevante Impulse entstehen, die vor Ort konsequent aufgegriffen, implementiert und weiterentwickelt werden."

Innovationen gemeinsam entwickeln und erproben

Das Besondere an InnoVET PLUS ist der offene Wettbewerb: Akteure aus der Berufsbildung konnten eigene Ideen entwickeln und sich um Förderung bewerben. Aus den eingereichten Konzepten wählte im Jahr 2024 eine Fachjury 28 Projekte aus. Diese Projekte präsentierten sich auf der Tagung und tauschten ihre Innovationen untereinander aus. Das Bundesbildungsministerium investiert während der vierjährigen Förderlaufzeit insgesamt rund 55 Millionen Euro in die Projekte. Der Wettbewerb InnoVET PLUS wird im Auftrag des Bundesbildungsministeriums vom BIBB durchgeführt. 

Erfolgreiche Ansätze weitergeben und in der Breite anwenden

Die Ansätze der Förderprojekte reichen von der Sprachlern-App für berufliches Vokabular über digitale Lernplattformen für technische Berufe, flexibel einsetzbare Micro-Credentials und karrierefördernde Aufstiegsfortbildungen bis zum Konzept für einen Berufsabschluss auf Promotionsniveau.

Die Fachtagung stellte die vielfältigen Ergebnis- und Lösungsansätze aus den Förderprojekten vor und setzte Impulse für den Transfer der Konzepte in andere Regionen und Berufe. Eingeladen war die Fachöffentlichkeit der Berufsbildung aus Politik, Wirtschafts- und Sozialverbänden, Kammern, Bildungseinrichtungen sowie Multiplikatoren und Praktikern. 

Der Wettbewerb InnoVET PLUS

InnoVET PLUS ist eingebettet in die "Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung (QBB)", mit der das Bundesbildungsministerium seine bildungspolitischen Aktivitäten für eine attraktive, inklusive und moderne berufliche Bildung bündelt. Bestandteile der QBB sind:

  • Berufsorientierung und Übergänge verbessern;

  • Die Qualität und Attraktivität während der Ausbildung sichern;

  • Die Anerkennung ausländischer Qualifikationen beschleunigen;

  • Menschen ohne Ausbildung unterstützen;

  • Weiterbildung fördern

 

Engagement und Ehrenamt im ländlichen Raum

Hessische Landjugend übergibt Erntekrone an Mareike Lotte Wulf

Gruppenbild mit Mareike Lotte Wulf
Mareike Lotte Wulf bekommt von der hessischen Landjugend die Erntekrone überreicht © Florian Gaertner/BMBFSFJ/photothek.de

Am 6. Oktober hat die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesjugendministerin, Mareike Lotte Wulf, von der hessischen Landjugend die Erntekrone überreicht bekommen. Die Übergabe der Erntekrone steht beispielhaft für das vielfältige Engagement junger Menschen in den ländlichen Regionen Deutschlands. Die Landjugend verbindet dabei Tradition und Moderne und bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen Möglichkeiten, sich vor Ort einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und das gesellschaftliche Leben in ihren Gemeinden aktiv mitzugestalten.

Mareike Lotte Wulf: "In Jugendverbänden erleben junge Menschen, dass ihre Ideen zählen, dass sie Verantwortung übernehmen und ihr Umfeld aktiv mitgestalten können. Gerade im ländlichen Raum leisten die Landjugendverbände einiges: Hier kommen junge Menschen zusammen, um Spaß zu haben und gemeinsam ihre Freizeit zu gestalten. Sie verbinden gelebte Traditionen mit neuen Ideen. Die Erntekrone ist deshalb nicht nur ein Symbol für eine gute Ernte - sie steht auch für das wertvolle Engagement einer jungen Generation, die ihre Heimat mitgestaltet und Traditionen in die Zukunft trägt."

Der Bund Deutscher Landjugend 

Der Bund Deutscher Landjugend (BDL) ist mit 100.000 Engagierten einer der größten Jugendverbände im ländlichen Raum. Gemeinsam mit seinen Landesverbänden setzt er sich für die Interessen junger Menschen in ländlichen Regionen ein und fördert deren gesellschaftliche Beteiligung. Das Bundesjugendministerium unterstützt die Arbeit des BDL seit vielen Jahren im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP). Damit werden Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe im ländlichen Raum gestärkt und vielfältige Möglichkeiten für junge Menschen geschaffen, sich zu engagieren und ihre Lebenswelt aktiv mitzugestalten.

Bundesstiftung Gleichstellung

Mareike Lotte Wulf eröffnet dritten Gleichstellungstag

Mareike Lotte Wulf hält eine Rede
Mareike Lotte Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesgleichstellungsministerin, eröffnet den 3. Gleichstellungstag der Bundesstiftung Gleichstellung © Bundesstiftung Gleichstellung/Anna Spindelndreier

Am 6. Oktober fand bereits der dritte Gleichstellungstag der Bundesstiftung Gleichstellung statt. Rund 1000 Akteurinnen und Akteure aus Bund, Ländern, Kommunen, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft kamen aus der gesamten Bundesrepublik zusammen. Sie diskutierten, wie sich Transformations- und Strukturwandelprozesse geschlechtergerecht gestalten lassen und welche Strategien aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft dabei am besten wirken. Mareike Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesfrauenministerin, hielt zum Start ein Grußwort.

Mareike Lotte Wulf: "Frauen und Männer sollen die gleichen Chancen haben - das ist dem Bundesfrauenministerium ein wichtiges Anliegen. Deshalb unterstützen wir den Gleichstellungstag als Ort der Vernetzung und gegenseitigen Unterstützung. Die persönlichen und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen und Männern entscheiden sich an guten Rahmenbedingungen. Wenn Frauen und Männer ihr volles Potential entfalten können, stärkt dies auch die Resilienz und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft."

Fachkongress und Fachmesse boten Raum für Austausch

Der Fachkongress bot rund 50 Workshops, Foren und Diskussionsrunden mit Expertinnen und Experten an. Hier wurden unterschiedliche gleichstellungsrelevante Aspekte in allen Politikfeldern beleuchtet. Begleitet wurde der Fachkongress durch eine Fachmesse. Etwa 40 Ausstellende stellten auf dem dritten Gleichstellungstag ihre Arbeit in den Einrichtungen, Verbänden und Netzwerken vor Ort vor. So wurde beispielsweise auch der Gleichstellungsatlas präsentiert.

Bundesstiftung Gleichstellung

Die Bundesstiftung Gleichstellung, gegründet im Mai 2021, ist eine zentrale Anlaufstelle für evidenzbasiertes Gleichstellungswissen, eine Vernetzungsstelle für Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und Impulsgeberin für die Gleichstellungspolitik. Alle zwei Jahre organisiert sie einen Gleichstellungstag und lädt Expertinnen und Experten der Gleichstellungspolitik ein, gemeinsam eine moderne und zeitgemäße Gleichstellungspolitik zu gestalten.

85. Jahrestag von Babyn Jar

Karin Prien vertritt Bundesregierung bei offiziellem Gedenken in der Ukraine

Karin Prien
Karin Prien nimmt stellvertretend für die Bundesregierung an der Gedenkenveranstaltung zum 85. Jahrestag von Babyn Jar teil © Anastasiia Mantach

85 Jahre nach den Massenerschießungen von ukrainischen Jüdinnen und Juden in Babyn Jar bei Kyjiw hat Bundesbildungs- und -familienministerin Karin Prien die deutsche Bundesregierung beim offiziellen Gedenken in der Ukraine vertreten. In Anwesenheit des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj betonte sie in ihrer Rede die dauerhafte deutsche Verantwortung für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und die Solidarität mit der Ukraine.

Karin Prien: "Erinnerung bedeutet Verantwortung - und diese Verantwortung vergeht nicht. Niemals. Als deutsche Bundesministerin stehe ich heute hier in Babyn Jar, an einem Ort, an dem vor 85 Jahren mehr als 33.000 Jüdinnen und Juden von deutschen Tätern ermordet wurden. Wir Deutsche dürfen nicht vergessen, was hier und an vielen anderen Orten der Ukraine im deutschen Vernichtungskrieg geschehen ist. Erinnerung heißt deshalb nicht nur, den Toten ihre Namen, ihre Würde und ihre Geschichte zurückzugeben. Erinnerung verpflichtet uns auch heute, Haltung zu zeigen. Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine bedeutet das für Deutschland: Wir stehen verlässlich und dauerhaft an der Seite der Ukraine.

Europa hat aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts ein Versprechen gemacht - dass Menschen nicht aufgrund ihrer Herkunft oder Religion entrechtet werden und Grenzen nicht mit Gewalt verschoben werden dürfen. Ausgrenzung, Antisemitismus und Entmenschlichung beginnen nicht mit Massenverbrechen - sie beginnen schleichend. Eine demokratische Gesellschaft muss früh widersprechen und die Stimme erheben. Deutschland steht in besonderer Verantwortung, dieses Versprechen einzulösen. Gleichgültigkeit darf niemals die Antwort auf die Verbrechen der Geschichte sein."

Das Massaker von Babyn Jar

Am 29. und 30. September 1941 erschossen deutsche Nationalsozialisten und ihre Helfer in einer Schlucht bei Kyjiw über 33.000 ukrainische Jüdinnen und Juden. Die Massenerschießungen waren das größte Einzelmassaker im Zweiten Weltkrieg auf europäischem Boden. 

 

22. Frauenwirtschaftstage in Baden-Württemberg

Dr. Petra Bahr wirbt für ökonomische Gleichstellung

Petra Bahr hält eine Rede
Dr. Petra Bahr betont bei den 22. Frauenwirtschaftstagen in Stuttgart die Bedeutung von wirtschaftlicher Eigenständigkeit für die gesellschaftlich gleichberechtigte Teilhabe von Frauen © Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg

Am 5. Oktober 2026 hat die Auftaktveranstaltung der 22. Frauenwirtschaftstage im Neuen Schloss in Stuttgart stattgefunden, organisiert vom Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus in Baden-Württemberg. Die Frauenwirtschaftstage stehen 2026 unter dem Schwerpunktthema "Erfolgreich. Gleich. Berechtigt. - Ökonomische Gleichstellung als Wirtschaftspotenzial." Die Staatssekretärin bei der Bundesfrauenministerin, Dr. Petra Bahr, hat in ihrem Grußwort vor rund 200 anwesenden Personen aus Industrie- und Handwerkskammern, Frauenverbänden sowie Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden die Maßnahmen vorgestellt, mit denen das Bundesfrauenministeriums die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen stärkt. 

Ökonomisches Orientierungswissen für wirtschaftliche Eigenständigkeit vermitteln 

Dr. Petra Bahr: "Wer als Frau sein Leben selbstbestimmt gestalten will, muss auch wissen, welche finanziellen Folgen wichtige Entscheidungen haben können. Das gilt bei der Berufswahl genauso wie bei der Frage, wie Paare Familie und Beruf aufteilen oder wie man fürs Alter vorsorgt. Mit der 'Lebenskarte' haben wir deshalb ein Serviceportal geschaffen, das Frauen dabei unterstützt, ihre finanzielle Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Sie ist wie ein persönlicher Kompass: Sie zeigt, welche Möglichkeiten es gibt, und hilft dabei, wichtige Entscheidungen bewusst zu treffen. Ein zentraler Bestandteil ist der digitale 'Lohn-O-Mat'. Er macht sichtbar, was unterschiedliche Lebensentscheidungen für das eigene Einkommen und die finanzielle Situation eines Paares bedeuten können."

Im Anschluss an das Grußwort diskutierte Dr. Petra Bahr mit Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, der Ministerin für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus in Baden-Württemberg, Carmen Reicherter von der Continental AG sowie mit Dr. Dagmar Weßler-Poßberg von der Prognos AG und Gabriele Frenzer-Wolf, Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg zu dem Motto "Erfolgsfaktor Gleichstellung: Treiber für Wirtschaft, Innovation und Wachstum". Dr. Petra Bahr betonte die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen als eine zentrale Voraussetzung für echte Wahlfreiheit, gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Stärke Deutschlands. Frauen müssten zudem bessere Chancen auf Führungsverantwortung, Macht- und Entscheidungspositionen sowie beruflichen Aufstieg erhalten. Dies ist eine Frage der gerechten Teilhabe und stärkt zugleich die wirtschaftliche Eigenständigkeit dieser Frauen.

Demokratie, Selbstbestimmung und ein freies Europa

Karin Prien besucht Kyjiw

Karin prien steigt aus einem blauen Zug aus

Karin Prien trifft in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw ein. Die Themen des Besuchs: Unterstützung im Kampf für Demokratie, Selbstbestimmung und ein freies Europa

© Anastasiia Telikova
Karin Prien mit Blumen und einem Teddybären in einer Kapelle

Bundesbildungs- und -familienministerin Karin Prien gedenkt in einer Kapelle der im Krieg getöteten Kinder in Kyjiw

© Anastasiia Telikova
Karin Prien legt einen Teddybären nieder

Als Zeichen der Anteilnahme legt Karin Prien einen Teddybären am Gedenkort nieder

© Anastasiia Telikova
Karin Prien im Gespräch mit zwei Frauen vom PANDA Centre

Hilfe für im Krieg traumatisierte Kinder: Karin Prien besucht das PANDA (Protection AND Advocacy) Centre in Kyjiw, das Kindern aus russisch besetzten Gebieten psychologische Unterstützung und Rehabilitierungsprogramme im geschützten Rahmen bietet

© Anastasiia Telikova
Gruppenfoto mit Karin Prien und Andriy Butenko

Beim anschließenden Besuch der PASCH-Schule in Kyjiw wird Karin Prien vom ukrainischen Bildungsminister Andriy Butenko begleitet

© Anastasiia Telikova
Gruppenfoto mit Karin Prien und Andriy Butenko

Karin Prien übergibt zusammen mit Andriy Butenko (rechts im Bild) Bücher für eine neue Leseecke für alle Schülerinnen und Schüler der PASCH-Schule

© Anastasiia Telikova
Gruppenfoto mit Karin Prien

Anschließend verlegt Karin Prien im Beisein von Vertrerinnen und Vertretern der Stadtverwaltung Kyjiws sowie engagierten Schülerinnen und Schülern einen Stolperstein zu Ehren von Ilya Galant

© Anastasiia Telikova
Karin Prien legt einen Stolperstein

Die Stolpersteinlegung für Ilya Galant steht symbolisch für das Andenken zu Ehren aller von den Nazis ermordeten ukrainischen Jüdinnen und Juden

© Anastasiia Telikova
Karin Prien im Gespräch mit Vitali Klitschko

Am Abend nimmt Karin Prien neben Gästen wie Vitali Klitschko, ehemaliger Profiboxer und amtierender Bürgermeister von Kyjiw (links im Bild), an den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit teil

© Anastasiia Telikova
Karin Prien hält eine Rede am Rednerpult

In ihrer Begrüßungsrede betont Karin Prien die Solidarität Deutschlands gegenüber der Ukraine

© Anastasiia Telikova
Karin Prien und Boris Ruge

Karin Prien und der deutsche Botschafter Boris Ruge (rechts im Bild) beim Empfang zum Tag der Deutschen Einheit in der deutschen Botschaft Kyjiw

© Anastasiia Telikova
Karin Prien und Denys Uliutin

Am 6. Oktober trifft Karin Prien den ukrainischen Minister für Sozialpolitik, Familie und Einheit, Denys Uliutin, zum bilateralen Gespräch

© Anastasiia Mantach
Karin Prien überreicht Kindern ein Kuscheltier

Anschließend besucht Karin Prien den Kindergarten Nr. 480 in Kyjiw, der nach einem russischen Angriff mit Unterstützung aus Deutschland wiederaufgebaut wurde

© Anastasiia Mantach
Karin Prien in einem Kindergarten

Gemeinsam mit der stellvertretenden ukrainischen Bildungsministerin Anastasiia Konovalova lässt sich Karin Prien die UNICEF-geförderte Einrichtung zeigen

© Anastasiia Mantach
Karin Prien und Dani Dayan

In Kyjiw trifft Karin Prien außerdem Dani Dayan, den Vorsitzenden der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, zum Gespräch über Erinnerungskultur in der Ukraine

© Anastasiia Mantach
Karin Prien auf dem Michaelsplatz in Kiew

Karin Prien auf dem Michaelsplatz in Kiew vor ausgebranntem Kriegsgerät, das dort als Mahnmal dient

© Anastasiia Mantach
Karin Prien

Am Volks-Mahnmal auf dem Unabhängigkeitsplatz gedenkt Karin Prien der im Krieg Gefallenen

© Anastasiia Mantach
Karin Prien

Karin Prien nimmt stellvertretend für die Bundesregierung an der Gedenkenveranstaltung zum 85. Jahrestag von Babyn Jar teil

© Anastasiia Mantach
Karin Prien schüttelt Wolodymyr Selenskyj die Hand

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüßt Karin Prien bei der Gedenkveranstaltung und bedankt sich für die Solidarität der Bundesregierung

© Anastasiia Mantach
Karin Prien hält Rede

Anlässlich des 85. Jahrestag von Babyn Jar spricht Karin Prien über die Verantwortung für die Erinnerungskultur und jüdisches Leben

© Anastasiia Mantach

Bundesbildungs- und -familienministerin Karin Prien ist am Morgen des 5. Oktobers zu einem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw eingetroffen. Der Besuch ist ein weiteres deutliches Zeichen der Bundesregierung für die Solidarität mit der Ukraine, die auch in diesen Tagen unter schweren Angriffen aus Russland leidet.

Karin Prien: "Ich komme nach Kyjiw, um zu zeigen: Wir stehen an der Seite der Ukraine und wir unterstützen dieses Land und seine Menschen im entschlossenen Kampf für die Demokratie, für staatliche Selbstbestimmung und ein freies Europa.

Unsere Unterstützung erwächst auch aus unserem Bewusstsein um die eigene Geschichte und aus unserer besonderen Verantwortung für Europa. Zugleich ist diese Partnerschaft keine Einbahnstraße: Wir wollen die Ukraine nicht nur unterstützen, sondern auch von ihr lernen und im beiderseitigen Interesse unsere Partnerschaft ausbauen.

Die Ukraine verteidigt in diesem Krieg nicht nur ihr Land, sondern auch ihre Gesellschaft und ihre demokratische Zukunft. Kinder und Jugendliche sind von den Folgen des Krieges besonders betroffen. Sie erleben Gewalt und Zerstörung, verlieren ihre Heimat, müssen mit traumatischen Erfahrungen leben und stehen nun vor dem fünften Kriegswinter.

Und dennoch zeigt dieses Land eine beeindruckende Stärke. Gesellschaftliche Resilienz ist kein abstrakter Begriff. Sie zeigt sich dort, wo Menschen füreinander einstehen - in Familien, Schulen, Jugendhilfe, Nachbarschaften und einer engagierten Zivilgesellschaft. Die Ukraine hat unter kaum vorstellbaren Bedingungen beeindruckende Erfahrungen mit gesellschaftlicher Widerstandskraft und steter Innovation gesammelt. Davon können auch wir als Gesellschaft lernen."

Schutz, Bildung und Zukunftsperspektiven der Kinder stärken

Ein Schwerpunkt des Besuchs liegt auf der Frage, wie Kinder und Jugendliche auch in der Krise Schutz, Bildung, Stabilität und Zukunftsperspektiven erhalten können. Karin Prien tauscht sich aus mit Regierungsmitgliedern, besucht unter anderem eine Schule und einen Kindergarten und verlegt einen Stolperstein im Gedenken an die unter den Nazis ermordeten ukrainischen Jüdinnen und Juden.

 

30. Europäischer Sozialpreis

Michael Brand würdigt Lebenswerk der Menschenrechtlerin Katrin Bornmüller

Michael Brand gratuliert einer Frau
Michael Brand gratuliert Katrin Bornmüller (86) zum Erhalt des 30. Europäischen Sozialpreises © Harry Reimer

Am 3. Oktober hat Katrin Bornmüller den 30. "Europäischen Sozialpreis" des Europavereins GPB e.V. erhalten. Bei einem Festakt in Eschweiler würdigte der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesbildungs- und -familienministerin, Michael Brand, das beeindruckende Lebenswerk der Menschenrechtlerin Katrin Bornmüller (86) und bezeichnete ihren jahrzehntelangen Einsatz auch ein Beispiel für die "starke Ausstrahlung der Werte Europas". 

Michael Brand: "Der Einsatz von Katrin Bornmüller im Bereich Menschenrechte und humanitäre Hilfe ist in der Geschichte der Menschenrechtsarbeit, der Bundesrepublik Deutschland schlicht einzigartig. Sie steht für einen über vier Jahrzehnte langen Einsatz für Menschen und deren Rechte, für Menschen in Not. Angesichts von Krieg und aktuellen Bedrohungen sehen wir, wie wichtig und wertvoll die Menschenrechte auch für den Frieden sind. Sie bilden als gemeinsame Grundwerte die Grundlage für das Zusammenwachsen Europas."

Die Auszeichnung steht unter dem Leitgedanken "Menschenrechte sind das Fundament Europas". Das Bundesbildungs- und -familienministerium fördert unter anderem die deutsche Berichterstattungsstelle gegen Menschenhandel. 

150 Jahre Rhein-Wied-Gymnasium

Karin Prien gratuliert Rhein-Wied-Gymnasium zum Jubiläum

Gruppenbild mit Karin Prien
Karin Prien gratuliert dem Rhein-Wied-Gymnasium zum 150-jährigen Jubiläum © BMBFSFJ

Anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Rhein-Wied-Gymnasiums in Neuwied hat Bundesbildungsministerin Karin Prien die Bedeutung der Schule als Lern- und Lebensort hervorgehoben. In ihrer Festrede erinnerte sie daran, dass sie selbst Schülerin des Gymnasiums war. Die Schule sei deshalb nicht nur ein dienstlicher Veranstaltungsort, sondern ein wichtiger Teil ihrer persönlichen Bildungsbiografie.

Karin Prien: "In den vergangenen 150 Jahren hat sich die Welt grundlegend verändert. Technologische Entwicklungen, politische Umbrüche und gesellschaftliche Veränderungen haben auch die Schule immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Der grundlegende Auftrag ist jedoch immer gleichgeblieben: Die Schule soll junge Menschen dabei unterstützen, die Welt zu verstehen, eigene Fähigkeiten zu entdecken, selbstständig zu denken und Verantwortung zu übernehmen."

Raum zum Wachsen und Ausprobieren geben

Das Motto des Jubiläums - "150 Jahre gemeinsam durch die Zeit" - nahm Karin Prien zum Anlass, auf den Leitspruch der Schule "Nutze die Zeit" einzugehen. Die Schule bietet jungen Menschen Zeit und Freiräume zum Lernen, Fragen, Ausprobieren und persönlichen Wachsen. Zugleich muss sie demokratische Mitbestimmung ermöglichen und Räume schaffen, in denen Kinder und Jugendliche ihre Interessen und Fähigkeiten entwickeln können.

Einen Schwerpunkt legte die Bundesbildungsministerin auf das Verhältnis von Bildungsgerechtigkeit und Bildungsqualität: Bildungsgerechtigkeit bedeutet nicht, alle Kinder gleich zu behandeln, sondern ihre unterschiedlichen Voraussetzungen zu berücksichtigen und ihnen die jeweils notwendige Unterstützung zukommen zu lassen. Eine zentrale Grundlage sind dabei sichere Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen. Bildungsunterschiede entstehen teilweise bereits vor der Einschulung und müssen deshalb frühzeitig erkannt und ausgeglichen werden.

Schulen in herausfordernden Lagen stärken

In diesem Zusammenhang verwies sie auf das KiTa-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz sowie auf das Startchancen-Programm von Bund und Ländern. Mit insgesamt 20 Milliarden Euro über zehn Jahre sollen rund 4000 Schulen in herausfordernden Lagen unterstützt werden. Neben den Basiskompetenzen geht es dabei auch um Fähigkeiten wie Kreativität, Problemlösung, digitale Kompetenz, Urteilsfähigkeit und Widerstandskraft.

Schulen dürfen mit den Folgen des gesellschaftlichen Wandels nicht allein gelassen werden, betonte Karin Prien. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, eine zunehmend vielfältige Gesellschaft und die wachsende Schwierigkeit, zwischen verlässlichen Informationen, Meinungen und Desinformation zu unterscheiden, wirken unmittelbar in den Schulalltag hinein. Gute Bildungspolitik muss daher Schulen dabei unterstützen, diese Veränderungen aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.

Talente und Potenziale jedes Kindes sichtbar machen

Auch die Förderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler ist ein wichtiger Bestandteil von Bildungsgerechtigkeit. Unter dem Titel "Leistung macht Schule" werden deshalb Konzepte entwickelt, mit denen Schulen die individuellen Talente und Interessen aller Kinder besser erkennen und fördern sollen. Dabei geht es nicht nur um besonders Begabte, sondern um die Potenziale jedes einzelnen Kindes.

Demokratiebildung als Kern schulischer Gemeinschaft fördern

Darüber hinaus warb Karin Prien für die Teilnahme an Schüler- und Jugendwettbewerben. Diese bieten jungen Menschen die Möglichkeit, eigene Talente zu entdecken und wichtige Fähigkeiten zu entwickeln. Nicht allein der Wettbewerbserfolg sei entscheidend, sondern auch die Erfahrung, etwas Neues zu wagen und über sich selbst hinauszuwachsen.

Zum Abschluss betonte sie die Bedeutung von Demokratiebildung. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, Argumente abzuwägen und fair miteinander zu diskutieren. Eine Schule kann sich verändern, ohne ihren Kern zu verlieren, lautete die zentrale Botschaft der Festrede. Im Mittelpunkt müssten weiterhin die Menschen stehen, die am Rhein-Wied-Gymnasium lernen, lehren und gemeinsam ihre Zeit verbringen.

Deutsch-französischer Entdeckungstag

Jugendliche erkunden deutsch-französische Jugendarbeit

Ingo Behnel und DFJW-Generalsekretär Tobias Bütow
Ingo Behnel und DFJW-Generalsekretär Tobias Bütow betonen die Bedeutung von Jugendaustauschprogrammen für die Demokratie in Deutschland und Frankreich © Florian Gaertner/BMBFSFJ/photothek.de

Anlässlich des 20. Deutsch-Französischen Entdeckungstages am 1. Oktober empfing der Staatssekretär bei der Bundesbildungsministerin, Ingo Behnel, zusammen mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) rund 50 Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 Jahren aus Schulen in Berlin und Brandenburg.

Deutsch-französische Jugendarbeit stärken

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein moderiertes Gespräch zwischen Ingo Behnel, dem DFJW-Generalsekretär Tobias Bütow und zwei ehemaligen Freiwilligendienstleistenden. Dabei ging es um persönliche Erfahrungen, die deutsch-französische Zusammenarbeit des Bundesbildungsministeriums sowie um Jugendbeteiligung und Jugendmedienschutz. In der anschließenden Fragerunde wurden die Möglichkeiten und die Bedeutung der Jugendbeteiligung an demokratischen Entscheidungsprozessen und die Rolle internationaler Jugendaustauschprogramme für ein friedliches Europa thematisiert. 

Ingo Behnel: "Der Deutsch-Französische Entdeckungstag macht jungen Menschen Lust auf Frankreich und zeigt, wie wertvoll persönliche Begegnungen und Austausch für ein starkes und vereintes Europa sind. Die deutsch-französische Freundschaft lebt davon, dass junge Menschen sie kennenlernen, mitgestalten und weitertragen. Jugendaustausche eröffnen dafür wichtige Räume: Sie schaffen Verständnis für andere Perspektiven und ermutigen junge Menschen, sich einzubringen und unsere Gesellschaft und Europa aktiv mitzugestalten."

Nach dem Mittagessen konnten sich die Jugendlichen beim "Speak-Dating" an drei Thementischen über Karrieremöglichkeiten im Bundesbildungsministerium, über Jugendbeteiligung sowie über das DFJW und seine Austauschprogramme informieren. Darüber hinaus gab es die Möglichkeit, sich mit den ehemaligen Freiwilligendienstleistenden über ihre persönlichen Erfahrungen auszutauschen.

Der Deutsch-Französische Entdeckungstag und das DFJW

Der Deutsch-Französische Entdeckungstag wurde 2006 auf eine Initiative der beiden Regierungen von Deutschland und Frankreich initiiert. Er richtet sich insbesondere an Jugendliche, die aufgrund ihrer sozialen, geografischen oder familiären Herkunft oder ihrer Ausbildung keinen oder nur einen eingeschränkten Zugang zu deutsch-französischen Austauschformaten haben. Dazu öffnen deutsche und französische Institutionen zahlreichen Schülerinnen und Schülern ihre Türen, um den Jugendlichen einen Einblick in die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zu ermöglichen. Organisiert wird der Entdeckungstag seit 2007 durch das DFJW. Das DFJW selbst wurde 1963 ins Leben gerufen und hat die Aufgabe, die Beziehungen zwischen Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Verantwortlichen der Jugendarbeit in den beiden Ländern zu vertiefen sowie Austausch und Begegnung im schulischen und außerschulischen Bereich zu fördern.

Internationaler Tag der älteren Menschen

Vielfalt des Alters sichtbar machen

zwei ältere Menschen beim tanzen
Am 1. Oktober macht der Internationale Tag der älteren Menschen auf die Vielfalt des Alters aufmerksam © BMBFSFJ

Am 1. Oktober rückt der Internationale Tag der älteren Menschen die Vielfalt älterer Menschen in den Mittelpunkt. Anlass ist auch der gesellschaftliche Wandel: Menschen in Deutschland werden älter als frühere Generationen - oft verbunden mit einem Mehr an Gesundheit, Bildung und Möglichkeiten. Ältere Menschen haben dabei die unterschiedlichsten Erfahrungen, Interessen und Fähigkeiten. Der Aktionstag hinterfragt damit auch einseitige und oftmals negative Altersbilder.

Einseitige Altersbilder überwinden

Noch immer wird Alter ausschließlich mit Krankheit, Rückzug und Hilfsbedürftigkeit verbunden. Solche Vorstellungen werden dem Alltag älterer Menschen nicht gerecht. Dabei prägen Altersbilder nicht nur die Selbstbilder älterer Menschen, sondern beeinflussen auch, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen. 

Das Bundesseniorenministerium steht für eine Seniorenpolitik, die es älteren Menschen ermöglichen will, ihre Potenziale, Bedürfnisse und Ideen zu verwirklichen und ein aktives und selbstbestimmtes Leben zu führen. Grundlage dafür ist ein realistisches Bild über das Leben im Alter. Daher fördert das das Bundesseniorenministerium mit den Altersberichten, dem Deutschen Alterssurvey und dem Deutschen Zentrum für Altersfragen seit Jahrzehnten wertvolle Forschung und trägt so zu differenzierten Vorstellungen vom Alter und Älterwerden bei.

Vielfalt des Alters zeigen

Das erfolgreiche Programm "Altersbilder" hinterfragt ebenfalls einen negativen und stereotypen Blick auf diese Lebensphase. Mit Wanderausstellungen, Foto- und Karikaturenwettbewerben und weiteren Aktionen werden Menschen aller Generationen dazu eingeladen, Vorurteile zu erkennen und sich ein eigenes Bild vom Alter zu machen.

Die Wanderausstellungen "Was heißt schon alt?" und "VielfALT" zeigen unterschiedliche Lebensentwürfe und Facetten des Alters und machen die Vielfalt des Älterwerdens sichtbar. Sie können kostenfrei ausgeliehen werden und waren bereits an über 500 verschiedenen Orten in ganz Deutschland zu sehen. 

Auch rund um den Aktionstag können die Wanderausstellungen an verschiedenen Orten in Deutschland besucht werden. Termine und Orte für 2026 sind auf der Website des Programms "Altersbilder" abrufbar.

Eine Gesellschaft für jedes Alter

Die Vielfalt des Älterwerdens wird auch Gegenstand der Ministerkonferenz der VN-Wirtschaftskommission für Europa (United Nations Economic Commission for Europe, UNECE) sein, die Bundesseniorenministerin Karin Prien vom 28. bis 29. September 2027 in Leipzig ausrichtet. Die Mitgliedsstaaten werden dabei diskutieren, wie positive Altersbilder die Teilhabe von Älteren in der Gesellschaft fördern und die Rechte Älterer gestärkt werden können.

 

Internationaler Bildungsvergleich

OECD-Bericht zeigt Stärken und Schwächen des deutschen Bildungssystems

Ein Lehrer erklärt etwas vor einer Gruppe Erwachsener in einem Klassenraum.
Deutschland zeigt sich beim OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2026" stark in der beruflichen Bildung und in MINT-Fächern © iStock / Drazen Zigic

Am 29. September veröffentlichte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre jährlich erscheinende Studie "Education at a Glance - Bildung auf einen Blick 2026".

Die deutschen Ergebnisse: Eine Stärke des deutschen Bildungssystems blieb die berufliche Bildung. Diese bot im internationalen Vergleich besonders gute Beschäftigungsperspektiven. Bei den Erwachsenen im erwerbstätigen Alter verfügte Deutschland außerdem über eine im internationalen Vergleich insgesamt gut qualifizierte Erwerbsbevölkerung. Bei der nachrückenden Generation zeigte sich zudem ein steigender Anteil junger Erwachsener mit höheren Bildungsabschlüssen im sogenannten Tertiärbereich - also mit einem Hochschulabschluss oder einem höherqualifizierenden beruflichen Abschluss, zum Beispiel einem Meister. In den MINT-Fächern gehörte Deutschland bei den Absolventinnen und Absolventen im Tertiärbereich sogar zur Spitze im OECD-Vergleich. Bei der frühen Bildung stieg die Bildungsbeteiligung in Deutschland ebenfalls, das heißt zum Beispiel, immer mehr Kinder besuchten eine Kindertagesstätte.

Zugleich sank der Anteil junger Erwachsener mit einer mittleren Qualifikation als höchstem Bildungsabschluss - dazu zählen zum Beispiel das Abitur, die Fachhochschulreife oder ein Abschluss der dualen Ausbildung. Gleichzeitig stieg der Anteil Geringqualifizierter in dieser Altersgruppe. Der Anteil der jungen Erwachsenen, die weder beschäftigt, noch in Bildung oder Ausbildung waren, nahm ebenfalls geringfügig zu. Lehrkräftemangel, in diesem Jahr Schwerpunktthema der Studie, zeigte sich in Deutschland insbesondere darin, dass auch Lehrkräfte zum Einsatz kamen, die noch nicht alle Qualifikationsanforderungen erfüllten.

Bundesbildungsministerin Karin Prien: "Bildung muss Top-Priorität in Deutschland werden - und zwar über die gesamte Bildungsbiographie hinweg. Das beginnt mit qualitativ hochwertiger, früher Bildung, die maßgeblich zum Bildungserfolg auf dem weiteren Lebensweg beiträgt. Zwar zeigt der Bericht, dass frühe Bildung schon viele Kinder in Deutschland erreicht. Wichtig dabei ist aber, genau zu differenzieren und qualitative sowie regionale Unterschiede in den Blick zu nehmen. Gerade bei Kitas in herausfordernden Lagen ist das besonders relevant für mehr Bildungsgerechtigkeit in Deutschland. Mit dem Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG) setzen wir genau hier an und stärken die Qualität unserer Kitas mit 9,25 Milliarden Euro bis 2034.

Genauso wichtig ist, dass wir Bildungsübergänge nach der Schule nicht aus den Augen verlieren. "Bildung auf einen Blick" zeigt zum Beispiel, dass der Anteil der jungen Erwachsenen, die weder beschäftigt, noch in Bildung oder Ausbildung sind in Deutschland leicht zunimmt. Hier müssen wir besser verstehen, wie wir diese jungen Leute erreichen können. Eine verbesserte Datengrundlage ist dafür die Voraussetzung. So kommen wir vom Wissen zum Handeln und bringen Ressourcen gezielt dahin, wo sie benötigt werden.

Das zeigt sich auch bei den Daten zu Lehrkräften, bei denen wir ebenfalls erhöhten Monitoringbedarf haben. Es ist deshalb wichtig und richtig, dass "Bildung auf einen Blick" in diesem Jahr besonders auf die Lehrerkräfte im Land schaut. Bei der Qualifizierung von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern ist besonders relevant, die Unterschiede in den Ländern nicht aus den Augen zu verlieren. Ich spreche mich daher dafür aus, dass wir mehr in eine verbesserte Datengrundlage im Bereich Bildung investieren: zum Beispiel mit einer Teilnahme Deutschlands bei weiteren Erhebungen wie bei TALIS für Lehrkräfte, beim sogenannten Baby-PISA für jüngere Kinder oder mit unserer Bildungsverlaufsstatistik.

Ganz allgemein gilt: Bund und Länder müssen auf gemeinsame Bildungsziele setzen. Um diese zu erreichen, braucht es eine gemeinsame Kraftanstrengung, bei der alle an den Stellschrauben drehen, die im eigenen Kompetenzspielraum liegen. Denn nur gemeinsam schaffen wir faire Bildungschancen für alle in Deutschland. Das ist der klare Auftrag, den die Ergebnisse von Bildung auf einen Blick und auch von PISA mitgeben."

Dr. Dorit Stenke, Bildungsministerin des Landes Schleswig-Holstein: "Der OECD-Bericht zeigt: Lehrkräftemangel betrifft viele Bildungssysteme. Wir müssen deshalb sehr genau wissen, wo der Bedarf besteht, in welchen Regionen, Schularten und Fächern. Die Länder haben zusätzliche Wege ins Lehramt eröffnet, darunter duale Studiengänge und Quereinstiegs-Master. Dabei gilt, dass auch neue Wege klare Qualitätsstandards brauchen. Wer als Lehrkraft Verantwortung für Kinder und Jugendliche übernimmt, braucht ein auch praxisorientiertes Studium, eine gute Begleitung beim Einstieg und verlässliche Fortbildung im Beruf. Für mich ist entscheidend, dass Lehrkräfte die Unterstützung bekommen, die sie für guten Unterricht brauchen: Lernstände erkennen, Stärken fördern und dort früh ansetzen, wo Schülerinnen und Schüler zusätzliche Unterstützung benötigen."

Die wichtigsten Ergebnisse für Deutschland im Detail

  • Deutschlands Bevölkerung im typischen Erwerbsalter verfügte insgesamt über ein hohes Bildungsniveau: 86 Prozent der 25- bis 64-Jährigen verfügten mindestens über einen Abschluss der Sekundarstufe II, also beispielsweise über eine berufliche Ausbildung oder die (Fach-)Hochschulreife. Damit lag Deutschland über dem OECD-Durchschnitt von 82 Prozent.
     
  • Junge Menschen erreichten zunehmend höhere Bildungsabschlüsse: 41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen verfügten über einen Abschluss im Tertiärbereich, also über einen Hochschulabschluss oder einen höherqualifizierenden beruflichen Abschluss (wie zum Beispiel Meister, Erzieher, Geprüfter Berufsspezialist, Bachelor Professional oder Master Professional). Das waren 11 Prozentpunkte mehr als 2015. Der OECD-Durchschnitt lag bei 47 Prozent.
     
  • Deutschland war stark in MINT: 34 Prozent der Absolventinnen und Absolventen im Tertiärbereich mit in Deutschland erworbener Hochschulzugangsberechtigung schlossen ein MINT-Fach ab - der höchste Anteil im OECD-Vergleich. Bei internationalen Studierenden lag der Anteil sogar bei 51 Prozent, das war der zweithöchste Anteil unter den betrachteten OECD-Ländern.
     
  • Mittlere Qualifikationen gingen zurück: Der Anteil der 25- bis 34-Jährigen mit einem allgemeinbildenden oder beruflichen Abschluss der Sekundarstufe II oder des postsekundaren, nicht-tertiären Bereichs als höchstem Bildungsabschluss war von 58 Prozent im Jahr 2015 auf 45 Prozent im Jahr 2025 gesunken. Zu diesem mittleren Qualifikationsbereich zählten insbesondere Abschlüsse einer dualen Ausbildung oder einer Berufsfachschule sowie die Fachhochschulreife oder das Abitur. Besonders deutlich war der Rückgang bei beruflichen Abschlüssen: Ihr Anteil als höchster Bildungsabschluss ging von 51 Prozent im Jahr 2015 auf 38 Prozent im Jahr 2025 zurück.
     
  • Dabei bot die berufliche Bildung sehr gute Beschäftigungsperspektiven: 89 Prozent der 25- bis 34-Jährigen mit einem beruflichen Abschluss im mittleren Qualifikationsbereich waren beschäftigt; ihre Erwerbslosenquote lag bei 3,4 Prozent. Die Beschäftigungs- beziehungsweise Erwerbslosenquoten waren damit etwas besser als für junge Erwachsene mit einem tertiären Abschluss (88 Prozent beziehungsweise 3,4 Prozent) und im internationalen Vergleich besonders günstig (83 Prozent beziehungsweise 6,8 Prozent). Höherqualifizierende berufliche Abschlüsse eröffneten zudem Wege für beruflichen Aufstieg.
     
  • Geringqualifizierung blieb eine Herausforderung: Knapp 14 Prozent der 25- bis 34-Jährigen verfügten über keinen Abschluss der Sekundarstufe II, also weder über eine berufliche Ausbildung noch über die (Fach-)Hochschulreife. Während der Anteil im OECD-Durchschnitt in den vergangenen zehn Jahren um fünf Prozentpunkte auf 12 Prozent zurückgegangen war, war er in Deutschland leicht gestiegen.
     
  • Übergänge in Ausbildung und Beschäftigung blieben im Blick: Elf Prozent der 18- bis 24-Jährigen waren 2025 weder beschäftigt noch in Bildung oder Ausbildung (sogenannten NEETs - Not in Employment, Education or Training). Der Anteil lag unter dem OECD-Durchschnitt von 13 Prozent, war in Deutschland seit 2015 aber um zwei Prozentpunkte gestiegen.
     
  • Frühe Bildung erreichte viele Kinder: 96 Prozent der drei- bis fünfjährigen Kinder besuchten 2024 eine frühkindliche Bildungseinrichtung; der OECD-Durchschnitt lag bei 90 Prozent. Auch bei den unter Dreijährigen war die Bildungsbeteiligung seit 2015 gestiegen. Zugleich hatte Deutschland das Personal deutlich ausgebaut: Zwischen 2015 und 2024 stieg die Zahl der betreuten Kinder im Alter von drei 3 Jahren bis zum Schuleintritt um 17 Prozent, die Zahl der pädagogischen Fachkräfte um 31 Prozent. Dadurch verbesserte sich der Betreuungsschlüssel auf 7,5 Kinder je pädagogischer Fachkraft gegenüber 9,4 im OECD-Durchschnitt.
     
  • Deutschland investierte überdurchschnittlich viel je Bildungsteilnehmendem, investierte jedoch weniger in den Primarbereich als der OECD-Durchschnitt: Die öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen je Bildungsteilnehmendem vom Primar- bis zum Tertiärbereich lagen mit 16.430 US-Dollar über dem OECD-Durchschnitt von 14.861 US-Dollar. Gleichzeitig lag der Anteil der Bildungsausgaben am BIP mit 4,4 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt von 4,7 Prozent. Die Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Primarbereich lagen in Deutschland mit 13.163 US-Dollar ebenfalls unter dem OECD-Durchschnitt von 13.639 US-Dollar.

Hintergrund

"Education at a Glance - Bildung auf einen Blick" erscheint jährlich und ist die zentrale OECD-Publikation zum internationalen Vergleich von Bildungssystemen. Der Bericht vergleicht die Bildungssysteme der OECD- und weiterer Länder anhand zentraler Kennzahlen - von Bildungsabschlüssen bis hin zu Bildungsausgaben. Die Ausgabe 2026 legt einen besonderen Schwerpunkt auf das Thema "Lehrkräftemangel und die Attraktivität des Lehrerberufs".

Im Gegensatz zu anderen OECD-Veröffentlichungen wie zum Beispiel PISA ist "Bildung auf einen Blick" keine gesonderte Erhebung oder Schulleistungsstudie. Parallel zur Veröffentlichung erscheint der Tabellenband "Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich" der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Er stellt ausgewählte OECD-Bildungsindikatoren für Deutschland und die einzelnen Bundesländer dar.

Deutsch-französische Zusammenarbeit

Mareike Lotte Wulf würdigt in Paris die Arbeit der UNESCO

Mareike Wulf hält ihre Festrede bei der Jubiläumsveranstaltung "75 Jahre Deutschland in der UNESCO" in Paris © Michael von Aulock

Am 28. September reiste Mareike Lotte Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium, anlässlich der Jubiläumsveranstaltung "75 Jahre Deutschland in der UNESCO" nach Paris. 

Sie nahm dort an den Feierlichkeiten unter dem Titel "Bringing UNESCO to the People: Designations as Drivers for Peace, Cooperation and Sustainable Development" teil. In ihrer Festrede würdigte sie die Arbeit der UNESCO und die guten deutsch-französischen Verbindungen. Besonders hob sie das gemeinsame ganzheitliche Bildungsverständnis hervor, das mit Bildungsgerechtigkeit, Wissenschaftsfreiheit und kultureller Vielfalt unerlässlich für eine resiliente Demokratie ist.

Mareike Lotte Wulf: "'Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden‘, so steht es in der Präambel der UNESCO-Verfassung von 1945, die aktueller nicht sein könnte. Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit entstehen durch die Begegnungen von Menschen, wechselseitiges Verständnis und Kooperation. Daher setzen wir uns gemeinsam mit der UNESCO ein für gute Bildung, ein tiefes Verständnis für unsere Geschichte und eine Wertschätzung des kulturellen Erbes und der Natur."

Austausch zur beruflichen Bildung

Während der Reise führte Mareike Lotte Wulf zudem ein Gespräch mit der beigeordneten Ministerin für berufliche Bildung und Berufsausbildung, Sabrina Roubache, zur bi- und multilateralen Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung. Dabei betonte sie die Bedeutung von besserer Bildung für die Zukunftsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Länder.

Nationale Präsentation des UNESCO-Weltbildungsberichts

Langfristige Investitionen gegen Bildungsungleichheiten

Gruppenbild mit Michael Brand
Michael Brand (3. von links) bei der nationalen Vorstellung des UNESCO-Weltbildungsberichts 2026 in Berlin © Amrei Schulz/BMBFSFJ/photothek.de

Am 22. September wurde in Berlin die deutschsprachige Kurzfassung des Weltbildungsberichts 2026 "Zugang und Chancengerechtigkeit" vorgestellt. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Auswärtigen Amts, des Bundesbildungsministeriums, des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Deutschen Kommission der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Engl.: United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization - UNESCO) diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der drei Ministerien und der Bildungsministerkonferenz sowie Bildungsfachleute über die Ergebnisse des Berichts. Für das Bundesbildungsministerium nahm Michael Brand, Parlamentarischer Staatssekretär, an der Veranstaltung teil.

Im Weltbildungsbericht wurde das Startchancen-Programm für benachteiligte Schülerinnen und Schüler positiv hervorgehoben.

Michael Brand: "Das Startchancen-Programm baut als zentrale Initiative des Bildungsministeriums Bildungsungleichheit ab und bringt für alle mehr Bildungschancen. Inzwischen im dritten Jahr hilft dieses breit angelegte Programm von Bund und Ländern über einer Million Schülerinnen und Schülern, unabhängig vom sozialen Hintergrund besser zu werden, etwa durch zusätzliche Leseförderung, Unterstützung von Elternarbeit oder auch Schulpsychologen. Das stärkt das Bildungssystem insgesamt und auch später berufliche Möglichkeiten. Über die Laufzeit von zehn Jahren investieren wir insgesamt 20 Milliarden in ein besseres Lernumfeld, mithilfe von Chancenbudgets auf kommunaler und schulischer Ebene, durch Schul- und Unterrichtsentwicklung, multiprofessionelle Teams und andere Maßnahmen. Wir verbessern Chancen gleich von Anfang an, mit großer Wirkung für das weitere Leben."

Hintergrund

Mit der Verabschiedung der Globalen Nachhaltigkeitsagenda hat sich die Weltgemeinschaft verpflichtet, bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherzustellen. Die UNESCO koordiniert die Umsetzung dieses Ziels, evaluiert die Fortschritte und veröffentlicht jährlich den Weltbildungsbericht. Die Deutsche UNESCO-Kommission gibt eine deutschsprachige Kurzfassung des Berichts heraus. 

Die UNESCO machte deutlich, dass die Welt in Sachen Bildungsgerechtigkeit vor großen Herausforderungen steht. Trotz erheblicher Erfolge in den vergangenen Jahrzehnten gingen weltweit 273 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule. Die Fortschritte hatten sich zuletzt sogar verlangsamt. Zugleich zeigte der Bericht, dass langfristige Investitionen, inklusive Bildungspolitik und die gezielte Unterstützung benachteiligter Gruppen den Zugang zu Bildung und den Bildungserfolg insgesamt verbessern können. Chancengerechtigkeit sollte nach Einschätzung der UNESCO daher das Leitprinzip der Bildungspolitik sein.