Jüdisches Leben in Deutschland

Karin Prien erhält den Israel-Jacobson-Preis

Karin Prien mit Mitgliedern der Union Progressiver Juden
Karin Prien gemeinsam mit Mircea Ionescu, Larisa Korshevnyuk, Alexadra Khariakova, Irith Michelsohn und Daniel Schaban von der Union Progressiver Juden © Noa Gugat

Am 18. März hat Bundesbildungs- und -familienministerin Karin Prien von der Union Progressiver Juden den Israel-Jacobson-Preis erhalten. Mit dem Preis werden ihre Verdienste um das liberale Judentum, die Stärkung jüdischer Vielfalt sowie ihr Engagement für die Verständigung zwischen den Religionen in Deutschland ausgezeichnet. Fernsehjournalistin und Autorin Nina Ruge hielt die Laudatio und überreichte anschließend den Preis an Karin Prien.

Karin Prien: "Eine große Ehre, dass die Union Progressiver Juden in Deutschland mir in diesem Jahr den Israel-Jacobson-Preis verleiht! Mir ist es ein aufrichtiges Anliegen, jüdisches Leben in seiner ganzen Vielfalt als wertvollen Beitrag zur deutschen Identität sichtbar zu machen. Erst recht wegen der deutschen nationalsozialistischen Vergangenheit ist es Aufgabe unseres Staates - und auch meine sehr persönliche Haltung -, jüdisches Leben aktiv zu stärken. Und zwar ganz konkret durch Bildung, durch Begegnung, einfach durch Sichtbarkeit. Jüdisches Leben stärken, Antisemitismus bekämpfen, Demokratie verteidigen - das ist Staatsaufgabe, die ich mir in meiner Amtsführung und als Mensch zu eigen mache.“

Seit 2001 verleiht die Union Progressiver Juden alle zwei Jahre den undotierten Israel-Jacobson-Preis an herausragende Persönlichkeiten, die sich im Geist Israel Jacobsons um ein lebendiges Judentum der Moderne verdient machen. Unter den früheren Preisträger sind auch die Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen und des Landes Nordrhein-Westfalen, Bodo Ramelow und Armin Laschet und Bundesminister Heiko Maas. 

Bürgerliche Gleichstellung mit der jüdischen Identität vereinen

Das progressive Judentum in seiner liberalen und reformorientierten Ausprägung ist als Alternative zum orthodoxen Judentum die vorherrschende Richtung innerhalb der jüdischen Religionsgemeinschaft weltweit. Seine Ursprünge sind vor allem in Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts zu finden und gehen auf Ideen von Moses Mendelssohn, Leopold Zunz, Abraham Geiger und Zacharias Frankel zurück. Das liberale Judentum entstand aus der Suche nach einer religiösen Form, die den Wunsch nach bürgerlichen Gleichstellung ohne Aufgabe der jüdischen Identität entsprach. Das progressive Judentum bildete in Deutschland bis zur Schoah die Mehrheit innerhalb der Gemeinden. Die Ideen des deutschen liberalen Judentums sind infolge der NS-Diktatur vor allem in Nordamerika, Großbritannien und Israel verbreitet. Heute ist das progressive Judentum die Hauptrichtung im angelsächsischen Judentum.

Die Union Progressiver Juden

Die Union progressiver Juden in Deutschland wurde 1997 gegründet und vertritt derzeit 20 liberale jüdische Gemeinden und fünf angeschlossene jüdische Organisationen. Sie ist Mitglied der European Union for Progressive Judaism mit Sitz in London und der World Union for Progressive Judaism mit Sitz in Jerusalem. Vorsitzende der Union ist Irith Michelsohn.