Gedenken in Bergen-Belsen

Gemeinsames Gedenken zum 81. Jahrestag der Befreiung von Bergen-Belsen

Michael Brand im Podiumsgespräch
Michael Brand im Podiumsgespräch über die Aufarbeitung des Unrechts gegen Sinti und Roma nach 1945. Auf dem Bild, von links nach rechts: Lukas Engelmeier (Projekt Kompetenzstelle gegen Antiziganismus der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten), Mario Franz (Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V.), Bernd Grafe-Ulke (Projekt Kompetenzstelle gegen Antiziganismus der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten), Charmaine Wagner (1. Sinti-Verein Ostfriesland e.V.) © Martin Bein/Stiftung niedersächsische Gedenkstätten

Am 19. April 2026 hat der Parlamentarische Staatssekretär und Beauftragte der Bundesregierung gegen Antiziga­nismus und für das Leben der Sinti und Roma, Michael Brand, an der Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Bergen-Belsen teilgenommen. 

Im Anschluss war er zu Gast bei einem Podiumsgespräch zum Thema des Unrechts gegen Sinti und Roma nach 1945 und dessen Aufarbeitung. Die Vorbereitungen für eine Unabhängige Kommission stehen vor dem Abschluss.

Michael Brand: "Wenn wir heute hier der Opfer des nationalsozialistischen Terrors gedenken, dann auch der mindestens 1800 Sinti und Roma, die hierher deportiert, unter barbarischen Bedingungen interniert und ermordet wurden. Die Anerkennung von Leid und Unrecht, die Übernahme von Verantwortung für die Geschichte zeichnen eine offene und demokratische Gesellschaft aus, wie wir sie gegen zunehmend aggressive Feinde im Inneren und von außen - die oft gemeinsam agieren - erkennen und unser Land dagegen verteidigen. Die Geschichte des Völkermordes an Sinti und Roma mahnt auch dazu, die Zeit nach der Befreiung in den Blick zu nehmen. Für zu viele Überlebende war es ein jahrzehntelanger Kampf um Anerkennung des Unrechts, letztlich auch um ihre ganz persönliche Würde. Nach 1945 erlebten Sinti und Roma noch immer Ausgrenzung, Diskriminierung und Behinderung in ihren Grundrechten. Zurecht sind Sinti und Roma gemeinsam mit engagierten Partnern dagegen an­gegangen, unter anderem auch mit einer wichtigen Kundgebung im Oktober 1979 hier auf dem Gelände des Konzentrationslagers Ber­gen-Belsen.
So entspringt aus der moralischen, menschlichen Pflicht zur Erinnerung und Verantwortung politische Verpflichtung, auch das Unrecht nach 1945 gründlich zu analysieren und Schlussfolgerungen aus der Aufarbeitung zu ziehen. Vor allem aber mahnen Bergen-Belsen und die Schreckensorte dieses einzigartigen Menschheitsverbre­chens der Nazis, gemeinsam und jeden Tag entschieden gegen Antisemitismus und Antiziganismus vorzugehen."

Mindestens 1800 Sinti und Roma waren in Bergen-Belsen interniert. Die meisten waren aus anderen Lagern dorthin gebracht worden und hatten bereits Jahre an Entrechtung, Verfolgung und Haft hinter sich, auch im Vernich­tungslager Auschwitz-Birkenau.

Die Webseite der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten bietet weiterführende Informationen zur Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung von Bergen-Belsen.